„Die Welt ist voll mit Blasmusik“

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Singende Gläser und eine Blechplatte erweiterten die klanglichen Möglichkeiten des Blasorchesters.

Urberach (chz) - Den Abschluss eines anstrengenden, aber erfolgreichen Jahres mit vielem Neuen feierte der Musikverein 06 Urberach mit seinem Weihnachtskonzert am Samstag. Das große Musicalprojekt „Tuishi Pamoia“ hatte weitgehend die Probenpläne bestimmt.

Dem setzte der Verein nun mit einem akustisch und optisch auffallenden Konzert in der Halle Urberach noch ein weiteres Glanzlicht auf.

Das Juniororchester eröffnete den Abend für die unerwartet vielen Gäste. Es wird von der in allen drei Orchestern beheimateten Melanie Pranieß sehr still, aber nachdrücklich geleitet. Nach dem Besuch im „Zauberland“ schloss sich der „Driving Test“ mit einem fulminanten Schlagzeug-Solo an. Nach einem immer wieder hörenswerten Queen-Titel gab’s eine weihnachtliche Zugabe.

Anspruchsvolle Musik, wie sie in einem Jugendorchester nur selten erklingt: das Concertino für Tuba und Blasorchester mit seinem Solisten Julian Fischer.

Großes Kino für Ohr und Auge bot Dirigent Thomas Martin mit dem Jugendorchester. Moderator Jürgen K. Groh fasste es so zusammen: „Damit haben Sie Starlight Express relativ preiswert in einer wunderbaren Kurzfassung gehört und brauchen nicht mehr nach Bochum!“ Völlig ungewöhnlich für ein Jugendorchester war das imposante dreisätzige „Concertino für Tuba und Blasorchester“. Julian Fischer an der Tuba hatte sich etwas Anspruchsvolles für sein Solo gewünscht. Das Solo gelang wunderbar und auffallend reif, was die gut 350 Zuhörer zu anhaltendem Beifall hinriss. Eine weihnachtliche Zugabe bei gedämpftem Licht rundete den Auftritt ab. Als Überraschung kurvte ein beleuchtetes „Weihnachtsauto“ quer durch den Saal.

Nach dem Weggang des Dirigenten Thomas Schoder im Herbst wurde das große Orchester wieder von Thomas Mischke geleitet. Der begabte Musiker und Orchesterleiter aus den eigenen Reihen wird trotz seines vielfachen auswärtigen Engagements noch bis zum Sommer aushelfen. Ab Mai 2012 sucht der Musikverein 06 einen neuen Dirigenten oder eine neue Dirigentin.

Eindrucksvolles „Tochter Zion“

Der Moderator, der das Programm wieder einmal anschaulich und fast greifbar machte, brachte zum fulminanten Stück „Kyrill - Sturm des Jahrhunderts“ die neuesten Nachrichten der Offenbach-Post mit. Die „Alpina Saga“ illustrierte er mit einem Eispickel und einem echten Multi-Sturz-Seil. Musik mal mit einer Blechplatte als Geräuschemacher für das Unwetter bei Kyrill, mal mit singenden Wassergläsern bei der Alpina-Saga: „Das Stück ist alles andere als einfach, schon wegen seines Zehn-Achtel-Takts, doch Thomas Mischke und das Orchester schaffen das“, war sich Jürgen K. Groh sicher.

Mit „Song und Samba“ bewies die Percussion-Gruppe des Orchesters, dass Musik nicht nur ins Herz geht, sondern auch in die Beine. Das Arrangement verfasste ein Japaner, in dessen Land die besten Blasorchester beheimatet sind, was bei Jürgen K. Groh in die viel versprechende Aussage mündete: „Die Welt ist voll mit Blasmusik.“

Mit einem eindrucksvollen „Tochter Zion“ aus dem Händelschen Oratorium endete ein Konzert, das den Musikverein sehr abwechslungsreich und an manchen Stellen durchaus gewaltig präsentierte. Das abschließende „O du fröhliche“ begleitete die Zuhörer in den frühen Abend hinaus. Die Idee, aus vergangenen Witterungserfahrungen heraus vorsichtshalber bereits um 19 Uhr zu beginnen, erwies sich als ausgesprochen angenehm.

Quelle: op-online.de

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