Neustart trotz Mistwetter geglückt

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Die Pfadfinder hatten wieder eine kleine Budenstadt hinter der Gallus-Kirche aufgebaut und sorgten mit mehreren Feuerstellen für angenehme Wärme. Das war an diesem ungemütlichen zweiten Advents-Wochenende eine schöne Sache.

Urberach (chz) - Der Urberacher Nikolausmarkt wurde nach dem Rückzug des Gewerbevereins Rödermark im vergangenen Jahr diesmal von einem kleinen Organisationsteam vor drohenden Aus gerettet und zu einem liebenswerten kleinen Treffpunkt gemacht.

Die Rückbesinnung aufs Zentrum vor der Gallus-Kirche tat ihm gut. Denn so zogen sich nicht mehr wenige Stände über viel Leerraum dahin, und selbst das miserable Wetter konnte der Gemütlichkeit nicht viel anhaben.

Als es zum Marktbeginn am Samstagnachmittag mehr als nur nieselte, hielt Organisator Werner Popp noch das Kabel, während Erster Stadtrat und Pfadfinder Alexander Sturm hoch auf der Leiter stand und die Festbeleuchtung quer über die Straße in den Bäumen verankerte. Das störte aber nicht: Da stand eher die nachbarschaftliche Frage „Können wir helfen?“ im Raum als die Erwartungshaltung eines perfekten großen Marktes.

Bewusst keine offizielle Eröffnung und keine Moderation

Alle, die da waren, wollten den Fortbestand des Urberach Nikolausmarktes, und alle waren dem kleinen Team um die beiden Macher und die Urberacher Pfadfinder dankbar, dass sie keine Lücke in die Markttradition haben reißen lassen. So gab"s auch bewusst keine offizielle Eröffnung und keine Moderation – es sollte wieder heimelig und ungezwungen werden

Das gelang denn auch und damit kam die Hoffnung auf, dass der Urberacher Nikolausmarkt sich im kommenden Jahr vielleicht auch wieder bis zur Kelterscheune ausdehnen kann.

In diesem Jahr konzentrierten sich die 15 Stände noch weitgehend auf den Platz um die Gallus-Kirche. Die Urberacher Feuerwehr hatte zu seinem Schmuck Bäume aus dem Wald herbeigeschafft. Ein guter Griff war es, das augenfällige Kinderkarussell wieder zurück auf die Straße zu bringen und damit auch als Lieferanten vorweihnachtlicher Musik zu nutzten, das sparte schon einmal die hohen Kosten für eine Beschallungsanlage. Der Musikverein Urberach 06 und sein Jugendorchester sorgten mehrfach für lebendige Adventsklänge jenseits der Konserve vom Bühnenwagen herunter, auf dem am Sonntag auch ein Puppentheater gastierte.

Bilder vom Nikolausmarkt in Urberach

Nikolausmarkt vor der Pfarrkirche

In der Kelterscheune kümmerte sich gestern der Deutsche Kinderschutz um die jüngsten Marktbesucher. Neben dem KSV, wo man sich gut mit Glühwein aufwärmen konnte, waren auch der Kleingärtnerverein Erlenwald und natürlich die Urberacher Pfadfinder an dem kleinen Budenzauber beteiligt. Ihr starkes Engagement hatte geholfen, den Nikolausmarkt aufrecht zu erhalten. Hier gab"s liebevoll Selbstgebackenes und –gebasteltes, Stockbrot am Lagerfeuer und viele Erinnerungen ans abgelaufene Pfadfinderjahr.

Bäcker Wolfgang Löbig lieferte den frisch gegossenen Riesen-Nikolaus fürs traditionelle Ratespiel der Pfadfinder persönlich ab. „Bei genau 28 bis 30 Grad muss die Vollmilch-Schokolade gegossen werden, sonst klappt das nicht“, erklärte er breitwillig die Geheimnisse seiner Schokoladenproduktion.

Mehrere Privatleute boten an Ständen die Ergebnisse ihrer Hobbys an: Handgefertigte Spiele bei Leander Doppler, Selbstgenähtes oder auch „Urberacher Seif“, oder gar Insektenhotels aus eigener Fertigung von Siegfried Nagel.

„Na klar, Gretche, derfste auch mal in den Korb greifen“, lockte der bischöfliche Besuch von St. Nikolaus, im durchaus traditionellen (selbst genähten) Gewand und mit Pferdekutsche angereist, zwischen allen Kindern auch mal eine alteingesessene Urberacherin. Frisch gebackener schwäbischer Kaiserschmarrn mit Apfel- oder Pflaumenmus lockte bei Renate Frank-Uhlke, danach empfahl sich ein Selbstgebrannter beim Dieburger Obstbauern Baumer.

Niemand beschwerte sich über das triste Wetter

Egal, ob Freie evangelische Gemeinde oder die Firmen „Holz-Klotz“ und „Wohnraum“ – niemand beschwerte sich über das triste Wetter, sondern machte freundlich und beschwingt das Beste aus dem Wochenende. Entsprechend zufrieden waren die Organisatoren mit ihrem „Erstlingswerk“ der Marke „zurück zu den Wurzeln“, und der kerb- und fastnachtserfahrene KSV-Vorsitzende Werner Popp hofft nun, dass aus dem gesunden Pflänzchen allmählich wieder eine große Pflanze wird.

War es viel Aufwand, den Nikolausmarkt im kleinsten Kreis zu retten? „Es ging eigentlich“, überlegte der in Sachen Großereignisse erfahrene Fastnachtsumzugs-Chef Werner Popp und hielt den Ball flach. „Die meiste Kommunikation meiste läuft heute eh kostengünstig per E-Mail. Dazu ab Ende Oktober ein paar Treffen, und dann halt einen Lageplan gemacht...“ – und dabei alles nach vorn gezogen, um den kleinen Markt kompakter zu gestalten. Sein besonderer Dank gilt neben den privaten Teilnehmern den Mitarbeitern des städtischen Bauhofs, die das Zwei-Mann-Organisationsteam fleißig unterstützt haben, vor allem beim Hüttenaufbau.

Quelle: op-online.de

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