Wenige Kurzarbeiter werden qualifiziert

+
Die Agentur für Arbeit fördert Kurzarbeiter, die sich weiterbilden wollen.

Rödermark ‐ Angestrengt brüten die 15 Männer und Frauen im Seminarraum über ihren Englischaufgaben. Wie jeden Morgen sind sie zur Arbeit gegangen, doch etwas unterscheidet den Tag von anderen - bei der Schmoll Maschinen GmbH in Rödermark ist Kurzarbeit angesagt. Von Thomas Holzamer

Eigentlich würden sie jetzt vor ihren Maschinen stehen, in der Buchhaltung den Zahlungsverkehr überwachen oder die Qualität der Produkte überprüfen, doch während der Kurzarbeit bietet das Unternehmen ihnen Qualifizierungsmaßnahmen an - nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach als einziger Betrieb in Stadt und Kreis.

Von den Fortbildungen profitieren Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen, wie Philipp Jansen, kaufmännischer Leiter und Personalverantwortlicher bei Schmoll erläutert. So erhöhen die Angestellten mit dem Gelernten ihren Wert auf dem Arbeitsmarkt und für den Arbeitgeber. Der Rödermärker Hersteller für Bohr- und Frässysteme, der seit vergangenem November auf Kurzarbeit setzt, hat seinen Beschäftigten unter anderem Kurse in Geschäfts-Englisch und die Weiterqualifizierung vom Maschinenbauer zum Servictechniker angeboten. Gefördert werde die Qualifizierung in der Kurzarbeit von der Agentur für Arbeit, erklärt Jansen. Je nach Einzelfall trägt diese zwischen 25 und 100 Prozent der Kosten. Zusätzlich übernimmt die Agentur im ersten halben Jahr der Kurzarbeit die gesamten Sozialabgaben, wenn mindestens die Hälfte der Zeit weiterqualifiziert wird. Ansonsten übernimmt die Agentur die Sozialbeiträge erst ab dem siebten Monat der Kurzarbeit komplett, berichtet Jansen.

Doch was im ersten Halbjahr mit Kurzarbeit noch einen Anreiz für Unternehmen bietet, ihre Mitarbeiter weiterzubilden, sollte nach Jansens Ansicht danach fortgeführt werden. „Wenn die Arbeitsagentur nach sechs Monaten die Sozialabgaben zu 100 Prozent übernimmt, auch ohne dass ein Unternehmen  weiterqualifizieren muss, dann sparen sich viele den Aufwand natürlich.“ Immerhin verursache die Förderung einen nicht unerheblichen bürokratischen Aufwand.

Das stößt auch seitens der IHK auf Kritik. Das könne mit ein Grund sein, warum so wenige Unternehmen die Möglichkeit der Weiterqualifizierung nutzen, sagt IHK-Pressesprecher Klaus Linke. Hinzu komme, dass die Gesetzeslage es den Anbietern solcher Fortbildungen schwer mache, für jedes Unternehmen ein maßgeschneidertes Fortbildungsprogramm anzubieten. „Damit die Arbeitsagentur eine Maßnahme fördert, muss der Anbieter, also beispielsweise die IHK, sie vorher für viel Geld zertifizieren lassen“, erläutert Linke. Das mache aufgrund der Kosten jedoch nur für allgemeinere Maßnahmen Sinn, eine auf die Bedürfnisse eines Unternehmens maßgeschneiderte Maßnahme sei so nicht möglich - der Anreiz für das Unternehmen somit verloren.

Dieses Problem sieht Jansen weniger kritisch. „Bei der Weiterqualifizierung neben der Kurzarbeit geht es ja vor allem darum, dass die Mitarbeiter ihren Wert für den Arbeitgeber und auf dem Arbeitsmarkt verbessern können.“ Dafür seien die zertifizierten Maßnahmen ausreichend. Bei maßgeschneiderten Angeboten gehe es in vielen Fällen lediglich um eine Verbesserung der Arbeitsabläufe. Dafür seien die Fördermittel, die letztlich aus dem EU-Sozialfonds stammen, aber nicht vorgesehen.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare