Ober-Roden

Wenn Missachtung in Beton gegossen wird

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Überwiegend Zwölftklässler diskutierten mit Rudolf Scharping

Ober-Roden - (chz) Überwiegend Zwölftklässler des sozialkundlichen Profils diskutierten mit dem früheren rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten, ehemaligen Bundesverteidigungsminister und Ex-SPD-Vorsitzenden Rudolf Scharping.

Prominenter Besuch in der Nell-Breuning-Schule (NBS): Überwiegend Zwölftklässler des sozialkundlichen Profils diskutierten mit dem früheren rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten, ehemaligen Bundesverteidigungsminister und Ex-SPD-Vorsitzenden Rudolf Scharping. Den früheren Politiker der ersten Reihe, der heute in Frankfurt eine Kommunikationsagentur betreibt und Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer ist, kannten selbst gerade mal 15-jährige Zehntklässler.

Rektor Jochen Zeller und Prof. Dr. Philipp Wolf begrüßten ihn, und Rudolf Scharping ersparte den Schülerinnen und Schülern ein Einführungsreferat, sondern fragte sie nach ihren bevorzugten Themen: Bundeswehr, Kosovo, Wirtschafts- und Finanzlage, Sozialdemokratie - vor allem junge Frauen formulierten ihre Fragen, die sich weitgehend um die deutsche Beteiligung der Bundeswehr in entfernten Konfliktherden und Standpunkte in der Außenpolitik drehten. Überzeugend und mit sonorer Stimme erläuterte Scharping, dass der Irak seiner Meinung nach nichts mit Terrorismus zu tun hat, dass deutsche Truppen in Afghanistan sehr wohl gebraucht werden, dass ein robustes Mandat in Somalia deutschen Truppen mittlerweile Eingriffe ermöglicht.

Er drehte auch den Spieß um und fragte die Jugendlichen nach ihrer Meinung zu US-Präsident Obama und deutete an, dass Deutschland bislang einfach sehr viel Glück gehabt hat und von Anschlägen der Taliban verschont wurde. Er verteidigte die Wehrpflicht, weil die Bürger nicht nur vom Staat nehmen, sondern auch geben müssten, und definierte die Freiheit als Grundwert der SPD.

In der Schulpolitik rechtfertigte er die G8-Züge als Wahlfreiheit, plädierte aber vor allem für aktiv gelebte Schule, im günstigsten Fall vor Ort und im Ausland erlebbar gemacht. Sprache ist nach Ansicht Scharpings der wichtigste Punkt der Eingliederung der Menschen in ihren jeweiligen Lebensbereich.

Erst etwas zögerlich, aber schließlich gingen dann doch die meisten Hände nach oben auf seine Frage, wer seine politische Bildung aus der Zeitung beziehe. Um sich politisch zu engagieren, empfahl der Politiker klares Denken, Überzeugung und Durchsetzungswillen: „Das heißt auch wissen, wo man hin will, und was realistisch ist.“

Scharping versprach am Ende, gerne wiederzukommen, sofern man sich dann auf zwei Themen konzentriere - und das trotz seiner deutlichen Meinung zum Gebäude: „Die in Beton gegossene Missachtung schlechthin - ich finde dieses Gebäude alles andere als schön!“ - „... gebaut zu Zeiten, als Ihre Politikerriege die Verantwortung hatte“, konterte schmunzelnd Professor Wolf.

Quelle: op-online.de

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