160 Arbeitsplätze für Behinderte

Werkstätten Hainbachtal weihen Neubau ein

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140 Menschen mit geistiger Behinderung und ihre Gruppenleiter arbeiten im ehemaligen Jado-Gebäude. Sie montieren zum Beispiel die Verstellmechanismen für Bürostühle der Firma Köhl, die ihren Sitz auf der anderen Straßenseite hat.

Ober-Roden - Zehn Millionen Euro hat die Stikma-Entwicklungs- und Beteiligungs GmbH in den Umbau des früheren Jado-Werks investiert. Gestern feierten die Werkstätten Hainbachtal, der Hauptmieter, die Einweihung ihrer neuen Räume, in denen schon seit Monaten kräftig geschafft wird.

Die Werkstätten Hainbachtal sind eine gemeinnützige GMBH und haben in der Paul-Ehrlich-Straße Plätze für 160 Mitarbeiter mit geistigen Behinderungen. Davon, so Geschäftsführer Hans-Jürgen Best, sind momentan aber nur 140 besetzt, weil eine Werkstatt als Cafeteria dient. Wenn der Kantinenanbau Ende des Jahres fertig ist, können weitere 20 geistig Behinderte ihre Arbeit aufnehmen. Ober-Roden ist nach Offenbach schon jetzt der zweitgrößte Standort der Hainbachtal-Werkstätten.

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Die heutigen Werkstätten Hainbachtal wurden 1970 als beschützende Werkstatt unter Dach der Arbeiterwohlfahrt gegründet. Sie hatte 15 Arbeitsplätze. J Die Zahl der Mitarbeiter stieg kontinuierlich auf rund 660 Behinderte. Ihre Arbeitsplätze verteilen sich auf den Stammsitz, eine Reha-Werkstatt und ein Café in Offenbach, einen Einkaufsmarkt in Obertshausen sowie Werkstätten in Dietzenbach und Ober-Roden. J Hier hat die gemeinnützige GmbH 3 700 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. 140 beziehungsweise Anfang nächsten Jahres 160 Behinderte, 20 Gruppenleiter sowie 10 Hauswirtschafterinnen, Werkstatt- und Produktionsleiter sind in der Paul-Ehrlich-Straße beschäftigt. Sie kommen aus einem Radius von etwa 20 Kilometern und führen Montage- und Konfektionierungsarbeiten für Kunden im Rhein-Main-Gebiet durch.

Das Jado-Gelände war 2009 für drei Jahre als Ausweichquartier gemietet worden, weil die Gebäude am Firmensitz in Offenbach in Sachen Brandschutz auf den neuesten Stand gebracht werden mussten. 100 Menschen mit Handicap und ihre Betreuer machten seinerzeit den Anfang. Ein weiterer Schub kam nach der Sanierung des Hauptsitzes: Breitere Fluchtwege und andere Brandschutzmaßnahmen kosteten Platz - Platz, den die Werkstätten in Ober-Roden hatten und immer noch haben.

Das Provisorium wurde zur Dauerlösung. 2010 schlossen die Werkstätten einen auf 35 Jahre angelegten Mietvertrag mit Stikma ab. Die Geschäftsführer Markus Stillger und Marcel Kremer möbelten den Komplex, in dem sich neun weitere Firmen eingemietet haben, gründlich auf. Sie bauten Lagerhallen in Produktionsräume oder Büros um, trimmten die Wände auf Energieeffizienz und montierten eine dreistöckige Fluchttreppe aus Stahl. In Behinderten-Einrichtungen gelten weit strengere Brandschutzauflagen als in anderen Betrieben.

Die Hainbachtal-Werkstätten nahmen ebenfalls Geld in die Hand. Die Ausstattung der Kantine schlägt mit 200 000 Euro zu Buche, die Einrichtung der Arbeitsplätze und Lager mit 72 000 Euro, erläuterte der zweite Geschäftsführer Thomas Ruff. 80 000 Euro kostete es, die riesige Milchglasfront zum Rödermarkring hin durch Fenster zu ersetzen. Das war dem Angehörigenbeirat wichtig gewesen, erläuterte dessen Vorsitzender Werner Fricke: Die Behinderten sollten sich auf keinen Fall eingesperrt fühlen.

Der Umbau ist seit Monaten abgeschlossen, jetzt wartet nur noch die Kantine auf ihre Fertigstellung. Die Werkstätten Hainbachtal wollen dort auch das Personal benachbarter Unternehmen verpflegen.

Margot Süß, ehrenamtliche Kreisbeigeordnete und frühere Erste Stadträtin in Rödermark, betonte, wie wichtig Arbeit für das Selbstwertgefühl und die Anerkennung von Behinderten ist. Dass sich ihre Qualitätsprodukte behaupten können, zeige ein Blick in die Kundenkartei. Auf der stehen sowohl Global Player wie die Lufthansa als auch Rödermärker Unternehmen wie der Büromöbelhersteller Köhl in unmittelbarer Nachbarschaft.

Der Bedarf ist groß an Arbeitsplätzen für Menschen, die im „normalen“ Berufsleben keine oder nur sehr wenig Chancen hätten. Ruff: „Wir haben jedes Jahr eine Steigerung von 10 bis 15 Plätzen.“ Für viele Behinderte sind die einfachen Montage-, Sortier-, Pack- und Versandarbeiten der erste Job überhaupt. Den Weg in den regulären Arbeitsmarkt finden zwar nur Einzelne. Aber rund 30 sind in die Betriebsabläufe von Partnerunternehmen auch in Rödermark integriert.

Rund ums renovierte Werkstattgebäude und die neue Kantine entsteht ein Park mit Möglichkeiten zu Sport oder Entspannung.

Quelle: op-online.de

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