Auf den Wetterfrosch ist Verlass

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Die Historie des Wetterballons, der mit einer Sonde Daten erfasst und zur Station abgibt, hat Raimund Schultz in mehreren Modellen aufbereitet. Er erläutert sie anhand eingänglicher Beispiele.

Urberach ‐ Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Temperatur: Diese drei Werte braucht jeder Meteorologe, um das Wetter zu beschreiben und vorherzusagen. Welche ausgefeilten Instrumente dazu notwendig sind, zeigt die neue Ausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins im Töpfermuseum. Von Christine Ziesecke

Dort hat Raimund Schultz historische Wettermessinstrumente ausgestellt, die er als langjähriger Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes gesammelt hat. Seit 43 Jahren beschäftigt sich Schultz mit dem Wetter, zuletzt viele Jahre in Offenbach. Seine zweite Leidenschaft sind Schiffsmodelle, die neben den Wettermessgeräten in seinem Keller beheimatet sind.

Die Ausstellung erklärt Messverfahren, mit denen Meteorologen arbeiteten, ehe die Elektronik gerade im Bereich der Sonden eine neue Genauigkeit ermöglichte.

Dass es auch heute nicht ganz ohne den Menschen geht, erklärt Raimund Schultz an einem Beispiel: Als vor rund zwei Jahren ein Totalausfall die gesamte Elektrik lahmlegte, darunter auch die Sichtweitenmessung am Frankfurter Flughafen, musste eine Kollegin aus ihrem rot-weißen Beobachterhäuschen an der Landebahn anhand der Positionslampen zählen, ob die für eine Landung vorgeschriebenen 200 Meter Sicht gegeben waren.

Im Töpfermuseum sind 26 Instrumente ausgestellt, die großteils konventionell gehandhabt wurden und dennoch gute Vorhersagen ergaben. Seine Liebe zu historischen Geräten brachte dem Sammler auch einige Schätze ein, die er von den bundesweit neun Wetterstationen geschenkt bekam, so etwa einen Meteographen, den Vorläufer der heutigen Sonde „Vaisala“.

Vielen Besuchern bekannter sind ältere Messinstrumente für die drei Grundmessungen, etwa der Niederschlagsmenge in einem Meter Höhe, des Windes in zehn Meter Höhe über dem Grund oder der Lufttemperatur in zwei Meter Höhe. Heute übernehmen dies winzige Kästchen, die von Solarzellen mit Strom gespeist werden.

„Ich habe einen Tick für alte Wettermessinstrumente und schon in meinem aktiven Dienst angefangen, alte Radiosonden zu sammeln“, berichtet Raimund Schultz: „Ich habe wohl deutschlandweit die größte Sammlung an Sonden.“

Als Diplom-Verwaltungsbetriebswirt leitete er die regionale Messwertegruppe Offenbach, in der die Werte aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland zusammenlaufen. Das bedeutete früher eine mühsame Arbeit. In den 60-er Jahren funkten die Radiosonden noch Morsesignale, wie die Ausstellung darstellt. Was heute digital aufgezeichnet wird, musste damals von Hand auf Diagrammpapier notiert werden. Mit Kopfhörern empfing Raimund Schultz die Morsetöne aus der Atmosphäre und setzte sie in Diagramme um. Seine Leidenschaft hält ihn immer noch in Trab: Immer wieder führt er Besucher durch den Wetterpark Offenbach, in dem Wetterphänomene erlebt werden können. Lächelnd hält er ein Glas mit einem Wetterfrosch aus Plastik in die Höhe: „Dem traue ich eh am meisten, der täuscht sich nicht!“

Quelle: op-online.de

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