Ausufernde Partys

Waldstadt dem Wald überlassen?

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So wär"s wohl der Naturschutzbehörde am liebsten: viel neu angepflanzter Wald, wenig menschliches Leben. Doch die Stadt hat andere Vorstellungen von der Zukunft der Kinderspielstadt auf dem früheren Blockhüttengelände.

Waldacker - Hat die Kinderwaldstadt eine Zukunft? Wie könnte sie aussehen? Antwort auf diese - und weitere - Fragen suchten die Stadt und genervte Nachbarn nach ausufernden nächtlichen Partys. Von Christine Ziesecke 

„Ein Gebiet, das besonderer Bewachung bedarf.“ Das ist nach einhelliger Meinung von Bürgern, städtischen Jugendarbeitern, Ordnungsamt und Erstem Stadtrat Jörg Rotter die Kinderwaldstadt. Sie tasteten sich an die Zukunft des Geländes heran. Derzeit vegetiert es - von allen Hütten geräumt, teilweise neu aufgeforstet und ohne eigentliche Zielgruppe - dahin. Die Untere Naturschutzbehörde hat der Stadt viele Auflagen gemacht. Auch die städtischen Ferienspiele sind in die Nell-Breuning-Schule gewechselt: Seit sie auf über 100 Teilnehmer ausgedehnt wurden, reichen die sanitären Einrichtungen nicht mehr aus. Inzwischen feiern fast nur noch Kindergärten dort kleinere Feste.

Allerdings wird das Gelände rege zweckentfremdet - von zumeist jüngeren Menschen, die oft nach Mitternacht mit Autos in den Wald kommen und lautstark Party machen. Den Lärm hören auch viele Waldackerer, obwohl ihre Häuser 200 bis 300 Meter weg liegen. Nicht nur Rödermärker verursachen Schäden auf und am Gelände, deren Kosten sich auf 1000 bis 2000 Euro pro Jahr belaufen. Bürger wie Manfred Anthes dokumentieren mit Fotos, wie es gelegentlich frühmorgens dort aussieht. Gerhard Loos aus der Jägerstraße beklagt vor allem die späte Ruhestörung. „Wir können nicht nach Mitternacht noch regelmäßig Ordnungskräfte einsetzen, zumal dafür Landespolizei zuständig ist“, sieht Rotter die Stadt an ihren Grenzen.

Schulpädagogin hat kaum noch Zeit für eigentliche Arbeit

Auch Sozialpädagogin Stephanie Grabs ist bei der Situation überfordert: „Vor lauter Bearbeitung von Beschwerden, Reparaturen und Versicherungsfragen habe ich kaum mehr Zeit, meine eigentlichen Aufgaben in der Jugendarbeit zu erledigen.“ Doch auch den Bürgern ist klar: „Wo sollen junge Leute, die sich treffen und feiern wollen, hier sonst auch hin?“ Mit (Zer-)Störungen machen sie sich aber keine Freunde. Die Stadt sieht sich nicht in der Lage, das Problem allein zu bewältigen.

Eine erste Option „Wir lösen das Ganze auf!“ fand beim Ortstermin viel zustimmendes Nicken. Schrittweise wurde den meisten Teilnehmern aber klar, dass das Aus des einstigen Blockhüttengeländes ein großer Verlust wäre und dass es andere Möglichkeiten geben muss. Neue Benutzergruppen, die allein durch ihre Präsenz ungebetene Besucher fern halten, scheinen die beste Lösung; je mehr wachsame Augen, umso besser. Aber die Auflagen der Naturschutzbehörde stehen im Weg: kein offenes Feuer, rundherum geschlossene Grillhütte, keine lautsprecherverstärkte Musik, nur zwei monatliche Veranstaltungen während der Brut- und Setzzeit, keine parkenden Autos im Wald. Stadtrat Rotter sieht da jedoch Lösungsmöglichkeiten, sobald sich wieder feste Nutzergruppen etablieren.

Fest der Kreisjugendfeuerwehr in Rodgau

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Die Pfadfinder der Freien evangelischen Gemeinde würden sich längerfristig auf dem Gelände einrichten: „Das kommt natürlich auf die Konditionen an, und für die Schäden anderer können wir auch nicht haften“, sagt Pastor Jens Bertram. Auf der Liste der Behelfslösungen stehen Poller an der Zufahrt zum Gelände, Vereinsschilder, möglicherweise eine Einfriedung, für deren Aufstellen sich Franz Geibel schon bereit gezeigt hat.

Quelle: op-online.de

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