Wochenmärkte in großer Gefahr

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„Ich habe hier meine Stammkundschaft“. Eine Augenweide ist der Blumenstand von Antonio Palumbo, mit dem er seit elf Jahren die Kunden auf dem Häfnerplatz erfreut. Inzwischen ist sein Sohn bei ihm in der Lehre und wird den Stand übernehmen, wenn es die Familie nach Italien zurückziehen sollte.

Rödermark (chz) - Was in vielen Städten wie auch in Offenbach der absolute Renner ist und die Bürger magisch anzieht, dämmert in Rödermark leider fast unbeachtet vor sich hin: die Wochenmärkte mit ihrem unnachahmlichen Duftgemisch von Blumen, frischem Obst, Fleischwurst oder Handkäs’.

Dabei hat der Ort mit dem neu verschönerten Marktplatz in Ober-Roden und dem vorderen Teil des Häfnerplatzes in Urberach zwei verkehrsberuhigte und auch optisch ansprechende Standorte dafür – und trotzdem dümpeln die wenigen Stände eher unbemerkt vor sich hin. .

Die Marktverwaltung wird in Rödermark von zwei unterschiedlichen Systemen wahrgenommen. Während in Ober-Roden die Stadt und hier speziell Ingrid Weck als Kontaktperson für die Verwaltung städtischer Grundstücke und für die Vergabe von Standplätzen zuständig ist, läuft der Wochenmarkt am Donnerstag Nachmittag in Urberach unter der Regie der Deutschen Marktgilde. Dieses Unternehmen der Dienstleistungsbranche organisiert Wochenmärkte und mietet dazu Marktplätze von Kommunen an, die an die Wochenmarkthändler („Beschicker“) weitervermietet werden. Sie haben bessere Kontakte zu den meist in größeren Regionen herumreisenden Marktbeschickern.

Die Zusammenarbeit entstand, als der Markt in Urberach größer und ertragversprechender war. Der Markt in Ober-Roden – derzeit dienstags und samstags – ist für die Marktgilde wohl zu klein und uninteressant, auch wenn heutzutage in beiden Orten jeweils nur drei Händler ihre Waren anbieten. Sie alle haben einen festen Kundenstamm.

In Urberach, wo Blumen, Obst und Gemüse und einmal monatlich auch Wein verkauft wird (die Winzerin hat Stammkunden, die ihre Bestände immer wieder auffüllen) ist Marktmeisterin Hilde Propach für die Marktgilde zuständig, ebenso wie für Babenhausen. Standhaft ist hier vor allem Antonio Palumbo, seit fast elf Jahren jede Woche mit seinem duftenden Stand voll wunderschöner Blumensträuße direkt vorn an der Straße: „Ich bin vor 40 Jahren aus Italien nach Deutschland gekommen, bin seit zwölf Jahren selbständig und kann nur hierher kommen, weil die Geschäfte auf den Märkten in Offenbach und in Seligenstadt gut laufen. Hier habe ich aber durch die lange Zeit meine Stammkundschaft.“ Nun zieht es ihn in den nächsten Jahren wieder nach Italien, doch sein Sohn wird dem Stand zunächst treu bleiben.

Nur ein Euro an Kosten pro Standmeter

In Ober-Roden wäre auf dem schönen Marktplatz noch gut Platz für zwei bis drei weitere Stände. Leider ist auch der zumindest kurzzeitig erschienene Fischstand wieder verschwunden.

So bleibt’s bei Gemüse, Wurst und Käse und zweimal im Jahr beim kleinen Marktstand der Kita St. Nazarius. Dabei sind die Kosten gerade an die Stadt minimal – ein Euro pro laufender Standmeter.

„Die Erfahrungen sind zur Zeit überall ähnlich – die Bürger kaufen weniger, weil das Geld knapper ist und die Produkte auf dem Markt meist etwas teuerer sind als im Märktezentrum etwa“, sind sich Hilde Propach und Ingrid Weck einig. Und wer ins Kaufland einkaufen geht, nimmt gleich noch Obst und Salat mit – und spart sich den Gang zum Markt.

Kontakt für Ober-Roden: Stadt Rödermark, Ingrid Weck (06074/911212).

Kontakt für Urberach: Hilde Propach (06074/33641).

Ursache und Wirkung schaukeln sich in die Höhe: je weniger Marktstände sich präsentieren, umso geringer ist das Interesse der Bürger. Das bedeutet weniger Einnahmen und somit wieder weniger Interesse bei der Gilde oder bei einzelnen Marktbeschickern, den Markt in ihr Programm mit aufzunehmen. Überwiegend ältere Kunden aus dem direkten Umfeld des Marktes nutzen die Möglichkeiten und manchmal auch Menschen, die Wert auf frische und ökologisch hochwertige Nahrung legen. Doch auch die gehen lieber direkt in die Hofläden, die oft einen zusätzlichen Erlebnisfaktor bieten, oder in Bioläden.

In Urberach soll ein neuer Versuch zur Belebung gestartet werden. Der Markt wird von Donnerstag Nachmittag auf Mittwoch Vormittag verlegt – in der Hoffnung, dann mehr Anbieter herzuholen, da dieser Termin weniger stark besetzt ist. Das würde allerdings eine Ausgrenzung aller Berufstätigen bedeuten. Vielleicht klappt’s ja; es wäre zu wünschen.

Quelle: op-online.de

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