Der Wochenmarkt gibt nicht auf

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Die Kundin rechts im Bild kommt immer wieder mal vorbei und freut sich, dass der Blumenstand weiterhin in Urberach bleibt. Sie wohnt zwar in Seligenstadt, kauft aber gerne auf dem Weg zu ihrer Mutter bei Antonio Palumbo etwas Farbenfrohes ein.

Urberach - Der Abgesang auf den Wochenmarkt in Urberach war voreilig. Entgegen einer Ankündigung der städtischen Pressestelle findet der Verkauf auf dem Häfnerplatz - wenn auch eingeschränkt - statt.

Zwar hat sich die Marktgilde als Veranstalter zurückgezogen. Doch nicht alle Händler wollen deswegen aber gleich aufgeben. Erfreut schauten die Anwohner und Passanten am Donnerstag zum Beispiel auf die bunt blühende Auslage des Blumenhändlers Antonio Palumbo, der schon seit 14 Jahren jede Woche seine bunte Pracht verkauft.

Zum Hintergrund: Die bis jetzt in Urberach zuständige Marktgilde, eine genossenschaftliche Vereinigung zur Koordinierung von Märkten, hat nach dem Rückzug des vorletzten regelmäßigen Standbetreibers Willi Schrod, der den Standort für nicht mehr rentabel erachtete, den Urberacher Markt aus ihrem Verantwortung abgegeben. Zuständig ist jetzt wieder die Stadt Rödermark, von der sie das Recht zur Vermarktung erworben hatte.

Stadt bietet Plätze günstiger an als Marktgilde

Wer nun in Urberach seine Waren auf dem Häfnerplatz feil bieten möchten, muss sich direkt an die Stadt wenden und dort einen Standplatz beantragen. Der ist dann für nur einen Euro pro laufendem Meter sogar wesentlich günstiger als bei der Marktgilde.

Das hat der Mühlheimer Antonio Palumbo umgehend gemacht. Nun steht er unbegrenzt weiter in Urberach mit Janoad Sellak, seinem Mitarbeiter, und seinem attraktiven Blumenstand. Bunt blühende Herbstblumen und Gestecke für den Friedhof hat er entlang der Straße aufgebaut. Sonderwünsche werden natürlich sofort erledigt.

„Ich habe es sehr bedauert, als Willi Schrod mit seinem Gemüse- und Obststand sich endgültig aus seiner eigenen Heimat Urberach verabschiedet hat, weil es sich nicht mehr rentierte, und statt dessen nun Eppertshausen anfährt. Aber ich will probieren, ob ich bis zum Frühjahr einen Kollegen überzeugen kann, mit einem Gemüsestand mit hierher zu kommen. Ich glaube schon, dass das klappen könnte“, hofft der Mühlheimer, der sonst vor allem in Seligenstadt und Offenbach verkauft.

Als Hildegard Propach, zuständige Niederlassungsleiterin der Marktgilde für Urberach, den Markt aus dem Programm der Gilde gestrichen hat, hat er sich direkt bei der Stadt seine Bleibe gesichert, so wie es jeder andere Marktbeschicker auch tun kann. Auch die „Weinfrau“, die einmal monatlich in Urberach mit ihren leckeren Tröpfchen auf dem Häfnerplatz vorbeischaut, will gerne weiter hierher kommen – es läuft nun eben über die Stadt direkt wie es in Ober-Roden schon seit Jahren der Fall ist.

Für den Bürger muss sich‘s lohnen

„Hier stehen dienstags und freitags jeweils zwei Händler auf dem Marktplatz, dazu dienstags eine halbe Stunde lang der Fischhändler“, freut sich Ingrid Weck, die zuständige Sachbearbeiterin bei der Stadt. Ingrid Weck hofft auf eine Ausweitung auch in Urberach, bis es sich vielleicht wieder richtig lohnt für die Bürger, auf den Wochenmarkt zu gehen.

Wer jedoch für die nötige Anwerbung der Händler zuständig ist, darüber scheiden sich die Geister: Hildegard Propach von der Marktgilde äußerte gegenüber unserer Zeitung, sie erwarte, dass die Stadt einige Händler findet, die zur gleichen Zeit am gleichen Ort verkaufen möchten. Die Stadt solle diese Händler dann der Gilde melden. Ingrid Weck (Kontakt: Tel. 06074 911212. Fax: 06074 9111212. ingrid.weck@roedermark.de) hält das hingegen für die Aufgabe der Gilde, die ja auch das gesamte Adressenmaterial und die Kontakte hat. Den Bürgern wäre es egal. Sie freuen sich auf weitere bunte und duftende Marktstände – stehen dann aber auch in der Pflicht, sie nicht nur optisch reizvoll zu finden, sondern dort auch einzukaufen. Denn nur so könnten die Händler überleben.

chz

Quelle: op-online.de

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