Wohlig gefühlte Enge

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Schon kurz nach dem Anzapfen am Samstag Nachmittag genossen die Menschen in der Pfarrgasse das gesellige Miteinander beim zweiten Ortskernfest.

Ober-Roden - (chz) Was sich am Wochenende auf dem 2. Ortskernfest traf, war weitaus mehr als Pfarr- und Obergasse hergaben: Die herzliche und gemütliche Atmosphäre der Premiere 2008 trug reiche Früchte.

Der Regen am Samstag Abend hätte etwas später kommen können, aber dennoch harrten die Gäste bis spät in der Nacht aus, um am nächsten Morgen mit Currywurst und Handkäs weiter zu machen.

Mehr noch als über den regen Besuch freute sich das Organisationsteam darüber, dass der Grundgedanke, der im letzten Jahr von einzelnen Familien geboren worden war, in diesem Jahr zu einer echten Kooperation geworden ist, bei der viele Nachbarn mitangepackt haben.

Auf einer eilig aufgebauten Bühne aus Bierkisten und einer Holzpalette präsentierten (von links) Lisa Frank, Nina Offenhäuser und Gina Cipriani ihr Lied samt tanz über die „Ortskern-Mädchen“.

Gar nicht so leicht hatte es dagegen die Koalition aus dem AL-Stadtrat Michael Uhe-Wilhelm und dem Ersten Stadtrat Alexander Sturm (CDU), die das erste Fass anzapften - Plastikhähne sind auch nicht mehr, was früher Holz war. Grund zum Feiern gab‘s jede Menge, so etwa den 85. Geburtstag von Johann (Hans) Mieth, der früher in der Pfarrgasse und heute in der Babenhäuser Straße wohnt: Ihm gratulierten Alexander Sturm und Stadtverordnetenvorsteherin Maria Becht mit Worten und der Lehr‘schen Männerchor musikalisch. Seinen 40. Geburtstag feierte Francesco Cipriani aus der Obergasse - der bekennende Sonnenanbeter bekam eine Sandburg und einen Strandstuhl geschenkt.

Mit Infomaterial und mit der Bitte, sich in die ausliegende Liste einzutragen, warben die Organisatoren zudem für eine Knochenmarktypisierung zugunsten der siebenjährigen Michelle Schneider aus Ober-Roden, die jetzt dringend Hilfe braucht. Voraussichtlich im September findet in der TG-Halle eine Blutspendeaktion für sie statt.

Mit Handkäs à la Schmidti ging‘s gestern Morgen herzhaft weiter, dazu gab‘s jede Menge Swing beim Platzkonzert des Musikvereins Viktoria 08 Ober-Roden.

Besucherstimmen

 

Hans Mieth (85): „Bis 1971 habe ich über 40 Jahre in der Obergasse gelebt. 1952 habe ich alle Ober-Röder Geschäfte abgeklappert, um Anzeigen für unser neu gegründetes „Blättchen“ zu sammeln - für jeweils fünf Mark haben sich damals 40 Geschäfte beteiligt. Heute sind davon noch etwa drei übrig geblieben. Ich habe keine große Hoffnung, dass sich die Lage bessern wird.“

Anna Rebel (71): „Bis vor 30 Jahren etwa haben wir in einem Haus direkt hier auf dem Grundstück gewohnt, jetzt leben wir in der Odenwaldstraße. Wie man die vielen geschlossenen Ladengeschäfte im Ortskern von Ober-Roden wieder beleben kann, weiß ich auch nicht. Aber ab und zu so ein Festchen wie dieses hier tut den Menschen gut, die hier leben.“

Eva Schultheis(83): „Auch wenn ich aus einem alten Bauernhaus mitten im Ort stamme, denke ich, man muss heute mit der Zeit gehen - es nutzt ja nichts. Früher hat unser Nachbar seine Sense gedengelt, das hat auch keinen gestört - also etwas Lärm etwa zur Kerbzeit darf ruhig sein im Ortskern. Nur der Platz für Kinderwägen muss am Straßenrand frei bleiben.“

 

Francesco Cipriani(40): „Ich bin froh, dass ich hier im Ortskern wohne - das ist das Beste, was meiner Familie passieren kann. Wir treffen uns oft mit der Nachbarschaft, in der viele kinderreiche Familien leben. Heute habe ich beim Aufbau jemanden kennen gelernt, der auch hier wohnt und den ich noch nie vorher getroffen hatte - solche Begegnungen sind doch toll!“

Quelle: op-online.de

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