45 Wohnungen frei von Stufen

+
Bauherr Stefan Jökel, Renate Jacobi (Caritas), Bürgermeister Roland Kern und Violetta Reimelt (VivaSenia, von links) gaben mit symbolischen Scherenschnitten den Eingang zur Seniorenresidenz frei.

Urberach - (lö) Die Seniorenresidenz am Badehaus, ein privat finanziertes Projekt für Betreutes Wohnen, wurde gestern nach rund 15 Monaten Bauzeit eingeweiht. Der viergeschossige Bau kostete rund 8,6 Millionen Euro.

Die ersten Bewohner und das bis dato einzige Geschäft waren bereits Anfang Juli eingezogen. Bauherr Stefan Jökel sprach von einem „zukunftsorientierten Lebensraum für die Generation 50 plus“.

Mit diesem Alter meinte der geschäftsführende Gesellschafter der Bauunternehmung Jökel (Schlüchtern) allerdings die Untergrenze, ab der die Statuten den Einzug erlauben. Die meisten Menschen, die künftig im Dreieck von Badehaus, Märktezentrum und Bahnhof daheim sind, haben die 70 schon überschritten, erläuterte Dagmar Viering-Süß von VivaSenia. Die gemeinnützige Organisation ist Betreiber der Seniorenresidenz und Ansprechpartner der Bewohner. Dreimal pro Woche (montags, mittwochs und freitags von 9 bis 12 Uhr) ist das Büro im Erdgeschoss geöffnet. Der VivaSenia-Service wird von den Bewohnern über eine monatliche Pauschale in Höhe von 50 bis 60 Euro finanziert.

Die Caritas, deren Sozialstation sich direkt gegenüber befindet, übernimmt auf Wunsch eine 24-Stunden-Betreuung bis hin zur Pflegestufe drei.

Die 45 Eigentumswohnungen sind durchgängig stufenfrei. Aufzüge, breite Türen und ebenerdige Duschwannen ermöglichen auch Rollstuhlfahrern einen leichten Zugang. Eine Bibliothek mit Kamin, Teeküche, ein Gemeinschaftsraum für Vorträge und Feiern, ein Fitnessraum und ein Gästeappartement sowie drei Geschäfte komplettieren das Angebot. Allerdings hat sich erst ein Hörgeräte-Akustiker niedergelassen. Weitere Geschäfte oder Praxen für die Zielgruppe Senioren werden noch gesucht.

80 Prozent der Wohnungen hat die Firma Vetter & Partner eigenen Angaben zufolge schon vermarktet, für den Rest gebe es Interessenten, mit denen man ernsthaft verhandele. Die meisten von ihnen hätten einen Bezug zu Rödermark. Viele der Investoren seien Familien mittleren Alters, die für ihre Eltern ein Domizil zwischen eigenem Haus und Altenheim suchen.

Überschattet wurde Bau der Seniorenresidenz im August vorigen Jahres von einem tödlichen Unfall. Eine herab stürzende Treppe erschlug den 52-jährigen Mitarbeiter eines Subunternehmens. Die Kripo kam bei ihren Ermittlungen zu dem Ergebnis, dass es sich um „ein tragisches Unglück“ gehandelt habe, an dem die Firma Jökel keinerlei Schuld treffe.

DAS PROJEKT IN ZAHLEN

- Die Seniorenresidenz am Badehaus wurde auf einem 3 950 Quadratmeter großen Grundstück errichtet, das die Firma Jökel für rund 1,4 Millionen Euro von der Stadt kaufte.

- Sie ist in vier Gebäudeabschnitte mit eigenem Eingang und Aufzug aufgeteilt.

- Die 45 Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen sind zwischen 50 und 126 Quadratmeter groß. Zu haben sind sie ab rund 2 200 Euro pro Quadratmeter.

- Zur Ausstattung gehören Parkett, meist raumhohe Isolierglasfenster mit elektrischen Rollläden, Loggia oder Terrasse.

- Ein kleiner Teich und eine grüne Ruhe-Oase laden zum Verweilen im Innenhof ein.

- Für die Autos von Bewohnern und Besuchern stehen 35 Parkplätze zur Verfügung.

- Einkaufsmöglichkeiten und öffentlicher Nahverkehr sind schnell erreichbar.

MIETEN ALS ALTERNATIVE

- Der Beschluss von Magistrat und Stadtparlament, das Grundstück für den Bau von Eigentumswohnungen zu verkaufen, stieß bei der Planungsgruppe „Älter werden in Rödermark“ auf heftige Kritik. Ihre Mitglieder hatten Betreutes Wohnen zur Miete oder auf genossenschaftlicher Basis bevorzugt.

- Die Stadt verpflichtete sich deshalb, bei der Sanierung des Hauses am Mühlengrund in erster Linie Mietwohnungen zu bauen und zum Teil auch über rund 800 000 Euro aus dem Grundstücksverkauf zu subventionieren.

- Die Rundumerneuerung kostet mindestens 7,2 Millionen Euro, was eine eine Quadratmetermiete von mehr als zehn Euro bedeuten würde.

- Seit Sommer 2008 sucht die Stadt deshalb europaweit nach einem Investor, der billiger bauen könnte als sie selbst - bisher aber vergeblich.

Quelle: op-online.de

Kommentare