Naturschutzbund hängt in Ober-Roden künstliche Nester auf

Rödermark: Wohnungsnot der Schwalben lindern

Unterm Dach arbeiteten die NABU-Helfer Sven Burger und Diedrich Meyn im als schwalbenfreundlich prämierten Haus an der Ecke von Lengertenweg und Odenwaldstraße, um betagte Nester auszuwechseln.
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Rödermark: Unterm Dach arbeiteten die NABU-Helfer Sven Burger und Diedrich Meyn im als schwalbenfreundlich prämierten Haus an der Ecke von Lengertenweg und Odenwaldstraße, um betagte Nester auszuwechseln.

„Machen wir´s den Schwalben nach, baun wir uns ein Nest!“ Dieser Oldie aus der „Czardasfürstin“ stimmt in Zeiten eines manchmal zu warmen und fast immer zu trockenen Frühlings längst nicht mehr. Dort, wo Schwalben kaum mehr feuchte Pfützen und nasse Lehmböden vorfinden, um Material zum Nestbau zu sammeln, helfen Menschen den Vögeln – das tun zum Beispiel Mitglieder der Nabu-Ortsgruppe Rödermark.

Rödermark - Sie bieten „Fertighäuser“ aus Stroh, Hanf und Beton – für rund 20 Euro pro „Doppelhaus“ –, befestigen sie auf Wunsch an überstehenden Dachkanten, die einen guten Anflug erlauben und einen leichten Schutz von oben bieten, und betreuen sie auch. Derzeit ist Dr. Rüdiger Werner, der Vorsitzende des Naturschutzbundes, gemeinsam mit Sven Burger und Diedrich Meyn auf Tour, um in die Jahre gekommene Nester auszutauschen und die darunter befestigten Kotbretter von den Hauswänden zu lösen, zu reinigen und wieder zu montieren.

Zehn Hausbesitzer hatten Interesse angemeldet, zumeist für neue Nester. Aber aufgrund der Lage konnte nur etwas mehr als die Hälfte bedacht werden. So sollte die Anflugposition stimmen. Vor allem aber sollten in der Nähe schon weitere Schwalben zuhause sein.

Sieben Stationen zur Renovierung und zur Neuanlage standen am Wochenende auf dem Plan, so gleich am Anfang das ohnehin schon als schwalbenfreundlich prämierte Haus der Familie Weinhardt in der Odenwaldstraße/Ecke Lengertenweg.

Hier hat das Nabu-Trio vier alte „Doppelhäuser“ abmontiert, die dazu gehörigen Befestigungen (meist von stark eingerosteten Schrauben gehalten) gereinigt und zusammen mit neuen Nestern unterm First wieder angebracht. Sie waren seit den 70er Jahren noch unter Nabu-Urgestein Günter Obmann angelegt worden und weitgehend immer besetzt. Doch was einfach klingt, erweist sich im wahren Leben als sportliche Herausforderung. Da die Stadt Rödermark keinen Hubwagen besitzt und die Feuerwehr nicht belastet werden sollte, mussten die Helfer eine mobile Arbeitsbühne aus Neu-Isenburg ausleihen, was konzentriertes Arbeiten erforderte: Pro Tag 200 Euro Leihgebühr sind für den Nabu kein Pappenstiel. Werner: „Wir haben zwar schon einiges mit der Leiter gemacht, aber das ist ein riesiger Aufwand!“

Eine Herausforderung war"s jedoch, mit einem Hubwagen an einem Samstag in der engen Odenwaldstraße zu manövrieren. Noch origineller erwies sich die Verkehrssituation anschließend an der engsten Stelle der Friedrich-Ebert-Straße. Hier galt es, an der einen Hälfte eines Doppelhauses bei Familie Kern nach einer Renovierung wieder neue Nester anzubringen, während an der anderen Hälfte für den bevorstehenden Neuanstrich die bestehenden Nester abgebaut werden mussten. Die Wiederanbringung soll dann vom Malergerüst aus erfolgen, hofft der Nabu.

Früher gab es im Ort mehr Schwalbennester. Heute sind es weit weniger, weil die Menschen Angst haben vor verschmutzten Hauswänden oder Bürgersteigen und die Vögel selbst wegen des immer wärmeren Klimas weniger brüten.

Stimmen die Bedingungen, legen sie auch ohne menschliche Hilfe los. Dr. Rüdiger Werner erinnert sich: „Als letztes Jahr die Baugrube mit feuchtem Material rund um die Firma Schwab existierte, haben hier Schwalben sofort Naturnester selbst gebaut.“

Die vielfach angesagte neue Nähe zur Natur bringt aber auch den Menschen Lieferschwierigkeiten: Neun Monate bis zu einem Jahr betragen derzeit die Lieferzeiten. „Es ist nicht mehr wirklich einfach, an Nester heranzukommen.“ Dennoch macht der Nabu weiter mit der versprochenen Wohnraumbeschaffung für Schwalben und der Nestkontrolle: „Nächstes Jahr ist Urberach an der Reihe, wo es rund um die Kreuzgasse herum zahlreiche Nester gibt.“

Langweilig wird es den drei Vorständen aber auch dann nicht, wenn sie diese Aktion vorläufig abgeschlossen haben. Sie werden sich in Kürze beim „Tag der Vogelartenvielfalt“, dem „Birdrace“, beteiligen: 24 Stunden werden sie den Vögeln und vor allem dem Artenreichtum in der Heimat auf der Spur sein. Innerhalb eines Tages sollen so viele Vogelarten wie möglich gehört, gesehen und gezählt werden – Vogelbeobachtung als sportlicher Wettbewerb. (Christine Ziesecke)

» birdrace.dda-web.de ornitho.de nabu-roedermark.de

Rödermark: Die Kotbretter unter den Schwalbennestern werden gereinigt und wieder montiert. Die immer noch recht ordentlichen Nester selbst werden nach gut 40 Jahren gegen neue ausgetauscht.

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