Workshop für junge Elektronikbastler

Heißes Lötzinn hat so seine Tücken

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Die zumeist knapp über zehnjährigen Workshop-Teilnehmer bauten mit großer Geduld und wahrem Feuereifer kleine Schaltkreise, die am Ende zu erleuchteten Mustern führten.

Urberach - Nachhilfe in Elektronik - locker, kreativ und kein bisschen belehrend - gab Peter Rottluff im „Schiller-Haus“. Kinder und Jugendliche von 10 bis 15 Jahren konnten in einem Workshop löten, verbinden und isolieren, was das Zeug hält. Von Christine Ziesecke

Peter Rottluff (31) hat viel praktische Erfahrung – auch mit einem eigenen Handel - als Elektroniker gesammelt und setzt gerade den Ingenieursgrad an der Fachhochschule Frankfurt drauf. Er findet, dass auch Jugendliche ihre Erfahrungen mit Werkzeug in der Hand machen sollten, um das zu be-greifen, was sie verstehen sollen: Grundlagen elektrischer Spannung, die Unterschiede zwischen herkömmlichen Glühbirnen und heutigen elektronischen Bauteilen, wie ein einfacher Stromkreis funktioniert und wie man damit arbeiten kann.

Das alles schaffte der frühere Rodgauer und heutige Urberacher Peter Rottluff in einem sechsstündigen Grundkurs, ohne auch nur annähernd oberlehrerhaft zu wirken. Seine „Gesellen“ im „Schiller-Haus“ waren allerdings auch alle lebhaft interessiert am Thema. Viele Arme hoben sich, sobald Rottluff eine Frage in den Raum warf. Sieben Jungen und ein Mädchen hatten alle bereits erste Technik-Erfahrungen mit Baukästen gemacht. „Bei denen gibt’s allerdings nichts zu löten oder so, sondern das war alles nur zu stecken“, bedauerte einer der Nachwuchs-Elektriker.

Arbeiten mit Lötzinn

Genau dem möchte der junge Lehrer vorbeugen, auch wenn beim ersten Arbeiten mit Lötzinn schon mal ein lautes „Au“ zu hören war. Denn die Drähte werden nun mal sehr heiß. Rottluff hatte die Teilnehmer war zwar vorgewarnt, doch nur schmerzhafte Erfahrung macht das nächste Löten sicherer.

Nach rund einer halben Stunde lebendiger Theorie, in der Peter Rottluff vor allem alle Abläufe in einer Batterie und die Grundlagen für das Fließen von Strom vermittelt hatte, konnten sich die Kinder und Jugendlichen kleine Schaltungen ausdenken und mit bunten LED-Lämpchen natürlich auch zum Leuchten bringen. Ob Spinnen, Smileys oder kompliziertere Konstruktionen, ob kleine Taschenlampen oder blinkende Birnchen: Spätestens nach ein paar Mal Verändern von Plus- und Minuspolen leuchtete zu guter Letzt wirklich alles und durfte mit nach Hause genommen werden.

Mit nur einem Euro

Mit nur einem Euro waren die Kids dabei; dafür gab’s auf Wunsch sogar noch eine Foto-CD. Der Rest der Kosten vor allem für das umfangreiche Material und den Referenten wurde von der gemeinnützigen Stiftung Humanitas übernommen. Die wiederum hat Peter Rottluffs Vater Gerd Chmiel mit einem großen Freundeskreis gegründet und mit Kapital ausgestattet.

Das Engagement der Familie geht so weit, dass Freundin Sabine Pestka den Kurs als „rechte Hand“ begleitete und den Teilnehmern schon mal beim Löten half, eine nicht funktionierende Schaltung oder falsch verbundene Drähte in Ordnung brachte oder Fragen beantwortete. Vater Chmiel kam aus Rodgau ins „Schiller-Haus“ und wollte von den jungen Elektrikern wissen, ob sie lieber Spaghetti Bolognese oder Kartoffelsalat mit Bratwürstchen mögen. Die Spaghetti fanden eine breite Mehrheit, worauf der Vater sich auf sein Motorrad schwang, einkaufen fuhr und dann für die ganze Gruppe kochte.

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„Beim letzten Kurs in Rodgau wollten die Kinder gar nicht aufhören. Sie sind so begeisterungsfähig – das ist das Schöne daran, auch für mich“, freute sich Peter Rottluff und versprach einen Fortsetzungskurs. Aus Spaß an der Freude möchte er pro Jahr zwei bis drei Kurse anbieten - auch wenn ihm klar ist, dass solche Hobbys seinen Elektronik-Ingenieur noch weiter in die Ferne schieben.

Kontakt und Informationen sowohl zur Stiftung als auch zu weiteren Terminen gibt’s über www.humanitas-kinderhilfe-stiftung.de oder über Tel.: 06106/6394161 in Nieder-Roden, Frankfurter Straße 84.

Quelle: op-online.de

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