Radweg „wumboR“

21 Kilometer voller Abwechslung

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Der Rödermark-Radweg ist selten so voll wie beim Start der TS-Seniorentour nach Heubach. Normalerweise kann man seine Runde in Ruhe drehen. 

Rödermark - Über dem abgeernteten Kornfeld südlich der Kläranlage kreisen Bussarde auf der Suche nach Beute, ein paar Kilometer weiter versperrt ein Dschungel aus Hochspannungsmasten und Transformatoren den Blick. Von Michael Löw 

Naturidylle in Ober-Roden, geballte Industriepower in Urberach - der Gegensatz auf dem Rödermark-Radrundweg könnte kaum größer sein. 21 abwechslungsreiche Kilometer ist er lang. Willi Böllert hatte am 3. Januar 2008 die Idee eines Radwegs gehabt, der alle fünf Stadtteile berührt. Seine ursprüngliche Route, die wenig später bei der Bürgeraktion „Wir für Rödermark“ prämiert wurde, war 28 Kilometer lang. Ein Viertel davon wurde der besseren und sicheren Streckführung zuliebe eingespart. Am 19. September 2009 drehten 120 Radler die Eröffnungsrunde.

Durstlösch-Stationen, Besonderheiten und Gefahrenstellen sind auf dem Radwegplan eingezeichnet. Und natürlich auch die Rathäuser, in denen er zu haben ist. Das Bild in Großansicht

Ein strampelnder „wumboR“ zeigt, wo’s langgeht. Wenn nicht - wie bei meiner Testfahrt - irgendwelche Scherzbolde die Schilder verdreht haben, kann man sich kaum verfahren. „wumboR“ steht für Waldacker, Urberach, Messenhausen, Bulau, Ober-Roden und Rödermark. Das U, das B und das O werden vom Radweg nur gestreift, durchs M und durchs W führt er hindurch. Mit die reizvollsten Blicke bieten sich zwischen der Landesstraße 3097 und dem Breidert auf Ober-Roden. Da fühlt man sich ein wenig in die dörfliche Vergangenheit zurückversetzt. Und ruhig ist’s dort im Feld: Wer die Ohren aufsperrt, hört die Schreie von Raubvögeln. Die wild kläffenden Meuten freilaufender Hunde, die Landwirte, Jäger und Naturschützer immer wieder beklagen, sind an diesem sonnigen Nachmittag nicht zu sehen.

Die berühmtesten Städte entlang des 50. Breitengrades

Einen Zwischenstopp wert sind das „Braaret Bernsche“, das die Initiative „Wir sind Breidert“ freigelegt hat, und zwei Objekte der Regionalparkroute: Bei Waldacker quert die Route den 50. Breitengrad, Säulen mit Fotos zeigen die berühmtesten Städte entlang dieses Breitengrads. Auf der Bulau, dem höchsten Punkt der Strecke, machen ein Stück nachgebaute Römerstraße und der keltische Trauerzug, eine Stahlskulptur des Künstlers Kai Wujanz, Geschichte lebendig.

Früh muss in die Pedale treten, wer diese Morgenstimmung an der „Niederrodener Lache“, einem Naturschutzgebiet, erleben will.

Und nun zur vielleicht wichtigsten Frage: Wo können Radfahrer Flüssigkeit nachtanken? Zwölf Gaststätten, Kneipen und Vereinsheime liegen entweder an der Strecke oder sind über ein paar Meter Umweg erreichbar. Mit etwas Glück wird am „Braaret-Bernsche“, im Schillerwald, auf der Bulau oder bei den Anglern am Berngrundsee ein Fest gefeiert. Hungern und dürsten muss also niemand - zumal der Rödermark-Radweg auch an die Apfelweinroute Dietzenbach/Rödermark angebunden ist.

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Der Rundweg hat aber auch seine Tücken. Fünfmal quert er viel befahrene Bundes- und Landesstraßen. Da heißt’s einfach „Augen auf!“, denn nur an zwei Stellen stoppen Ampeln die Autos. Die Abfahrt von der Bulau nach Messenhausen hinunter sollten auch sportliche Fahrer wegen des Schotters mit Vorsicht genießen. Überall müssen Radler mit Traktoren oder Mähdreschern rechnen, denn die Strecke führt überwiegend über Landwirtschaftswege. „Räumen Sie im Zweifelsfall Vorfahrt für die Landwirte ein, die hier ihrem Beruf nachgehen“, appelliert Bürgermeister Roland Kern auf dem Routenplan. Die haarigste Stelle aber ist die Rampe zur Triftbrücke hinauf und hinunter: eng, steil, mit zwei Haarnadelkurven und jeder Menge schlecht gestutzter Sträucher. Aber dieser Aufreger ist vergessen, sobald der Weg in den Mischwald südlich des Ober-Röder Industriegebiets eintaucht.

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Quelle: op-online.de

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