Wurzeln sprengen Straßen

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Betonpflaster kann die Wurzeln (wie hier in der Töpferstraße) nicht bremsen. Ähnliche Schäden meldet die Stadtverwaltung in vielen Rödermärker Straßen.

Rödermark - (bp) Wulstig wölbt sich das Betonpflaster in der Töpferstraße in Urberach nach oben. Wurzeln eines der vielen Straßenbäume haben auch den Asphalt aufgedrückt. Nicht mal die Einfassung der Baumscheibe aus Beton hat Stand gehalten.

Viele Bäume an Rödermarks Straßen verursachen immense Schäden. Die Stadt zahlt jetzt den Preis dafür, dass vor 20, 30 Jahren bei Anpflanzung der grünen Pracht ein Kardinal-Fehler begangen wurde. „Es wurden die falschen Bäume gesetzt“, sagt Claus Murmann. Der Leiter der städtischen Abteilung Landschaftspflege, die Bauverwaltung und Stadtplanung halten die negativen Folgen in Grenzen - wann immer sich dazu die Gelegenheit ergibt und die Stadtfinanzen dies zulassen. So wurden unlängst in der Bruchwiesenstraße in Urberach die viel zu großen Platanen gegen angemessen kleine Straßenbäume (Spitz-Ahorn) getauscht.

Das Problem (im Fach-Deutsch „Wurzelanhebungen“) hat mehrere Ursachen:

- Es wurden vor Jahrzehnten Bäume gepflanzt, die als Straßenbaum nicht taugen, weil sie mit den Jahren viel zu groß werden.

- Viele Baumscheiben und Pflanzgruben sind deutlich zu klein. Deshalb drücken Wurzeln das Pflaster auf.

- Auch wurde versäumt (oder man hatte die technischen Mittel noch nicht), die Wurzeln nach unten zu leiten. Folge: das waagerechte Wurzelwerk zerstört Gehwege, Fahrbahnen Kanäle und Versorgungsleitungen.

Am Karnweg im Ober-Röder Neubaugebiet ist das neue Pflanzverfahren angewendet worden. Ein Bagger hob die 31 Pflanzgruben aus. In diese kommt zunächst der Wurzellockstoff, dann das Baumsubstrat. Auch der Pflanzring mit schrägen Betonwänden ohne Fugen findet dort seinen Platz. Der etwa 50 Zentimeter hohe Betonring nimmt den Wurzelballen auf. Am Karnweg werden übrigens Säulenhainbuchen gepflanzt.

Damit dies bei Neuanpflanzungen nicht mehr passiert, wendet die Stadt ein neues Verfahren an. Und natürlich setzt sie nur noch geeignete Bäume. Eine zwölf Kubikmeter großen Pflanzgrube, mindestens 1,50 Meter tief, wird zunächst mit Wurzellockstoff befüllt. Darüber kommt ein spezielles Baumsubstrat. Der Lockstoff stimuliert die Wurzeln, nach unten zu wachsen.
Der Clou aber ist der Pflanzring aus Beton mit schrägen Wänden und Lüftungskanälen. Diese Betonkrone wird ins Baumsubstrat eingegraben und nimmt am Ende den Wurzelballen auf. Die Neigung der Wände bewirkt, dass die Wurzeln, die immer den Weg des geringsten Widerstand suchen, zunächst nach unten wachsen und sich erst am Boden der Pflanzgrube in die Breite orientieren.

Im Neubaugebiet am Ober-Röder Karnweg ist dieses neue Verfahren bereits angewendet worden. Es ist nicht ganz billig. Für jede der 31 Pflanzgruben fielen 5 000 Euro Kosten an. Dafür spart die Stadt sich später die teuren Reparaturen.

Quelle: op-online.de

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