„Zauberkugel der Meteorologie“ Themenpark Wetter

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Raimund Schultz sammelt Gerätschaften aus über 80 Jahren Wetterkunde und -beobachtung. Der Keller seines Hauses im Dohlenweg beherbergt ein kleines, aber feines privates Museum der Meteorologie mit so mancher Kuriosität.

Urberach ‐ Raimund Schultz sammelt Gerätschaften aus über 80 Jahren Wetterkunde und -beobachtung. Der Keller seines Hauses im Dohlenweg beherbergt ein kleines, aber feines privates Museum der Meteorologie mit so mancher Kuriosität. Von Michael Löw

Schultz arbeitete 42 Jahre beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Zuletzt war er zuständig für alle rund 90 professionell wie ehrenamtlich betriebene Wetterstationen in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Von deren Speichern wanderte einiges in den Schultz‘schen Keller, was sonst vielleicht auf dem Sperrmüll gelandet wäre. Die Kontakte zu den Stationen sind auch nach seiner Pensionierung noch nicht abgerissen und bescheren dem Urberacher gelegentlich ein neues Ausstellungsstück.

Ein Meteograph aus dem Jahr 1929 ist Raimund Schultz‘ ältestes Exponat. Es wurde von außen an Flugzeuge gehängt, um Luftdruck, -feuchte und -temperatur in den unteren Wolkenschichten zu messen. Höher als 3 000 Meter kamen die Doppeldecker vor mehr als 80 Jahren jedoch nicht.

Während der sechziger Jahre transportierten Ballons Radiosonden weiter nach oben. Die verwandelten Luftdruck in Morsezeichen, die die gemessenen Werte zurück zur Erde schickten. Nach getaner Arbeit segelten die Sonden am Fallschirm zu Boden. Der Deutsche Wetterdienst, der damals noch Wetteramt hieß, bezahlte jedem Finder fünf Mark. „Ich hätte auf das Geld verzichtet und die Sonde behalten“, gibt Schultz unumwunden zu und versichert, dass „sein“ Gerät auf ehrlichem Weg in den Keller kam.

Der Sonnenscheinautograph entlockt Besuchern immer wieder ein erstauntes „Oh!“. Schultz schwärmt regelrecht von ihm: „Das ist die Zauberkugel der Meteorologie.“ Dabei ist die Technik ebenso simpel wie bekannt. Eine gut zehn Zentimeter dicke Glaskugel wird durch die Sonne zum Brennglas. Jeder Strahl schneidet sich einem Laser gleich in einen Pappstreifen mit Stundeneinteilung. An schönen Tagen qualmt‘s dann richtig. Die Nachfolger von Raimund Schultz messen die Sonnenscheindauer völlig unspektakulär mit einer Photozelle.

Schade eigentlich, dass Raimund Schultz‘ kleines Wettermuseum nur guten Freunden zugänglich ist. Aber die meisten Geräte packt er in sein Auto, wenn er Führungen durch den Wetterpark in Offenbach veranstaltet.

Quelle: op-online.de

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