Viele kochen ihr eigenes Süppchen

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Fast jeder kocht sein eigenes Süppchen oder Sößchen: Im Kindergarten Lessingstraße versorgt der Förderverein täglich rund 40 kleine Esser. Andere Einrichtungen werden von einem Frankfurter Caterer beliefert.

Rödermark - Der Auftrag des Parlaments ist viereinhalb Jahre alt und eindeutig: Der Magistrat soll ein Konzept für eine Zentralküche entwickeln, die Kindergärten, Schulen, Verwaltung und vielleicht auch Firmen versorgt. Von Michael Löw

Gesundes Essen, kurze Wege, Jobs vor Ort und Gewerbesteuer wurden als Argumente angeführt. Als Standort nannten Politiker aller Fraktionen immer wieder die Ruine des abgebrannten „Paramount Parks“ in der Kapellenstraße, obwohl das Grundstück nicht einmal der Stadt gehört.

Die CDU/AL-Koalition und die FDP haben jetzt beim Magistrat nachgehakt. Abgesehen von ein paar Sitzungen habe sich in Sachen Großküche nichts getan, kritisierten die Liberalen.

Stadt ist nicht Bauherr einer Großküche

Bürgermeister Roland Kern erläuterte deshalb den aktuellen Stand der Dinge. Der Parlamentsbeschluss vom Oktober 2007 sage eindeutig, dass nicht die Stadt Bauherr einer Großküche ist. Vielmehr solle der Magistrat das Projekt einem privaten Betreiber schmackhaft machen. „Da muss erst mal jemand anbeißen“, sagte Kern.

Kurz vor Ostern sprach der Magistrat mit den gemeinnützigen Werkstätten Hainbachtal, die im früheren Jado-Gebäude rund 100 Behinderte beschäftigen. Die Werkstätten wollen ihre Küche erweitern und wären damit ein potenzieller Partner. „Das Gespräch war ergebnisoffen“, kam Bürgermeister Kern fast genauso schlau aus den Werkstätten heraus wie er hineingegangen war.

145 warme Mahlzeiten pro Tag

Kein Küchenbetreiber weiß nämlich, mit wieviel Kundschaft er rechnen kann. Allein in den städtischen Kindergärten und -horten essen täglich mehr als 600 Kinder zu mittag. Edith Itta, die Leiterin des Fachbereichs Kinder, Jugend und Senioren, geht davon aus, dass diese Zahl steigt, weil immer mehr Halbtags- in Ganztagsplätze umgewandelt werden. Der Förderverein der Nell-Breuning-Schule verkauft pro Tag zwar „nur“ 145 warme Mahlzeiten. Doch 300 belegte Käsestangen, 100 Schnitzel und 50 Würstchen zeigen, dass die Schüler mächtig Appetit entwickeln. Dieses Potenzial will der Magistrat bis zu den Sommerferien ausloten und darüber hinaus ermitteln, wieviel Geld die Stadt bisher für die Verpflegung der Kinder benötigt.

Nächstes Problem: In Rödermark kocht oder bestellt fast jeder sein eigenes Süppchen. Nell-Breuning- und Trinkbornschule sowie die Kita „Motzenbruch“ werden von einem Frankfurter Caterer beliefert, der seine Mahlzeiten zu 70 Prozent aus Bioprodukten herstellt. Entsprechend hoch ist die Zufriedenheit.

Kaum Interesse an einem Wechsel

Im Kindergarten Lessingstraße kocht der Förderverein schon seit Jahren frisch, auch hier schmeckt"s Kindern und Erzieherinnen. Die Kita Potsdamer Straße wiederum kocht nicht nur für den eigenen Bedarf, sondern beliefert auch die benachbarte Einrichtung in der Zwickauer Straße. Drei städtische Kindergärten peppen Fremdkost mit gesundem Beiwerk auf.

Das Sprichwort von den vielen Köchen, die den Brei verderben, stimmt in Rödermark also nicht. Denn Edith Itta hatte bei einem Gespräch mit den städtischen Kitas und denen freier Träger festgestellt, dass kaum jemand Interesse an einem Wechsel der Essensversorgung hatte.

Quelle: op-online.de

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