Kommentar: Zuhörer vergrault

So viel Publikum hatte die Stadtverordnetenversammlung schon lange nicht mehr: Gut 50 Bürger saßen im Saal, als Parlamentspräsidentin Maria Becht die erste Sitzung des Jahres 2010 eröffnete. Zwei Stunden später war ein Großteil der Besucher verschwunden - ein Exodus, der den Politikern zu denken geben sollte. Von Michael Löw

Mit zehn Anfragen, 44 Unter- und etlichen Nachfragen hatten sie ihre Zuhörer schlicht und einfach gelangweilt. Ein anderes Attribut hat diese Art von Politik nicht verdient. Alle vier Fraktionen hatten sich des Innovationscentrums Rödermark (IC) angenommen. Auf ihre Anfragen hin erfuhren sie Dinge, die sie selbst beschlossen hatten, nämlich die Aufgaben von IC-Chef Norbert Rink, oder was längst in der Zeitung stand - wie diverse Grundstücksverkäufe.

Die Zielrichtung war nur allzu durchsichtig. Weil Rink - bekanntlich Bürgermeisterkandidat der CDU - im Krisenjahr kein einziges Gewerbegrundstück an den Mann gebracht hat, ist sein Posten nach Ansicht der AL überflüssig. Die CDU sieht‘s erwartungsgemäß anders: Die Hälfte der freien Gewerbeflächen ging in Rinks Amtszeit weg, also muss er ein Top-Mann sein. Der (Bürgermeister)-Wahlkampf ließ grüßen.

Wenn diese Schaufenster-Anfragen die nächsten zwölf Monate bestimmen, können sich die Hausmeister das Stühlestellen im Zuschauerraum sparen. Auf Turnmatten schläft sich‘s bequemer.

Quelle: op-online.de

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