Wo liegt Zukunft des Einzelhandels?

+
Die optisch ansprechende Präsentation von Waren ist eines, sagt Klaus-Peter Marx vom Weru-Fenster- und Türenstudio in Ober-Roden. Wichtiger noch seien Kompetenz und Service.

Rödermark - Wo liegt die Zukunft des inhabergeführten Einzelhandels? Braucht er die Hilfe der Stadt? Welche Rolle spielt das Online-Geschäft? Der erste Rödermärker Einzelhandelstag suchte Antworten auf diese Fragen. Von Michael Löw

Und gab sie nur bedingt, viele Teilnehmer hatten auf Anregungen für die Praxis gehofft.

Der Einzelhandelstag war eine Veranstaltung der städtischen Wirtshaftsförderung. Deren Leiter Till Andrießen hatte die schwierige Ausgangslage kurz umrissen: Die Konkurrenz des Internets und eine Gesellschaft, in der immer mehr alte Menschen leben, setzen sowohl großen Kaufhäusern als auch kleinen Boutiquen zu. Etliche leere Läden entlang der Hauptstraßen in Ober-Roden und Urberach sprechen da eine deutliche Sprache. Aber die Attraktivität gerade kleinerer Städte, so Andrießen, hänge von einem lebendigen Einzelhandel und vielfältiger Gastronomie ab.

Sven Rohde von Einzelhandelsverband Hessen forderte die Geschäftsleute auf, sich von lieb gewonnenen Gewohnheiten zu verabschieden. Die Mittagspause von 12.30 bis 15 Uhr ist seiner Ansicht nach eine echte Kundenbremse, und 47 Prozent der Verbraucher befürworten laut einer Studie des Verbandes Ladenöffnungszeiten über 20 Uhr hinaus.

Helle, freundliche und großzügig eingerichtete Läden

Rohde riet Einzelhändlern zu hellen, freundlichen und großzügig eingerichteten Läden, in denen sie ihre Ware ansprechend präsentieren können. Diese eigentlich selbstverständlichen Vorschläge ständen jedoch im krassen Widerspruch zur Realität: Laut Rohde werden hessische Einzelhandelsgeschäfte, in den der Chef auch gleichzeitig der Verkäufer ist, im Schnitt nur alle 40 Jahre renoviert. Zum Vergleich: Textilketten wie Esprit oder H & M erneuern ihre Einrichtung alle drei Jahre.

Rohde will mit solchen Aussagen aber nicht nur lethargische Geschäftsleute aufrütteln. Denn viele verkaufen nicht in eigenen Läden, sondern haben sie gemietet. Auch die Besitzer dieser Immobilien müssten aktiv werden, doch sie stoßen schnell an ihre finanziellen Grenzen. „Hohe Mieten sind mit inhabergeführten Geschäften nicht zu verdienen“, stellt Rohde ernüchternd fest.

„Auch Immobilienbesitzer müssen investieren“

Gewerbevereinsvorsitzender Manfred Rädlein sieht es ähnlich: „Auch Immobilienbesitzer müssen investieren!“ Denn nur wenn das Ambiente stimmt, kommen Kunden und sichern Einnahmen und damit Mieten. Ansonsten droht eine Abwärtsspirale mit schlechtem Ende für Mieter und Vermieter.

Rohde nahm aber auch Städte und Gemeinden in die Pflicht. Sie müssen seiner Meinung nach in den öffentlichen Raum investieren und dürften den Handel nicht allein lassen. Ober-Rodens aufgehübschter Marktplatz sei ein Schritt in die richtige Richtung.

Tipps für sicheres Online-Shopping

Tipps für sicheres Online-Shopping

Für Dr. Joachim Stoll, in Waldacker aufgewachsener Chef von Lederwaren Stoll auf der Zeil und des Internethändlers koffer24.de, ist eine breit verzweigte Online-Präsens ein Muss. Sie beginne mit einer Internetadresse, die auf Rechnungen und an der Hauswand sofort auffalle, gehe über Soziale Netzwerke weiter und dürfe mit dem Verkauf übers Internet nicht zu Ende sein.

Stoll wies nachdrücklich darauf hin, dass Homepages topaktuell sein müssen und dass ein Onlineshop Zeit und Geld koste - und zwar „soviel wie eine 100-Quadratmeter-Filiale“. Seine Zuhörer, die oft zehn oder zwölf Stunden in ihren meist kleineren Geschäften arbeiten, vernahmen den Aufwand mit schweigendem Staunen.

Quelle: op-online.de

Kommentare