Zurück auf dem Weg zur Natur

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Dank des regenreichen Juli kann man jetzt schon erkennen, wie die Rodau nach ihrere Renaturierung durch die „Grüne Mitte“ fließen soll. Aus der Großbaustelle wird dann eine von Menschen und Maschinen geschaffene Auenlandschaft.

Rödermark - (lö) Extrem belastet mit Fäkal-Keimen, Infektionsgefahr, verdreckt wie nur wenige andere Bäche in Hessen: Das Landesamt für Umwelt und Geologie stellte dem Unterlauf der Rodau bei Mühlheim ein ganz schlechtes Zeugnis aus.

Güteklasse III bis IV bedeute „erhöhte“ bis „hohe“ Belastung, manche Keime kommen bis zu achtmal häufiger vor als in den behördlichen Zielvorgaben festgeschrieben.

Auf den ersten sieben Kilometern bietet die Rodau ein ganz anderes Bild, hält Rödermarks Erster Stadtrat Alexander Sturm dagegen. Bis zur Kläranlage hat sie die Güteklasse II („mäßig belastet“), östlich davon die Güteklasse II bis III („deutlich belastet“). Auf der Biologischen Gewässergütekarte ist die Rodau in der Gemarkung Rödermark dunkel- beziehungsweise hellgrün markiert.

Sturm ist mit dem Zustand der Rodau hoch zufrieden, zumal er sich in den vergangenen 40 Jahren kontinuierlich verbessert habe. Bis Anfang der siebziger Jahre leiteten private Haushalte, Gewerbe und Landwirtschaft ihre Abwässer ungeklärt in die Rodau, der Bach war oft ein stinkender Kanal. Kaum hatte die Rodau damals Urberach durchflossen, war sie „sehr hoch belastet“ (Stufe V). Auf ihrem Weg durch Ober-Roden sank die Verschmutzung immerhin auf jenen Wert, den das Landesamt heute in Mühlheim bedenklich findet.

Bereits sehr viel Geld in die Modernisierung der Kläranlage geflossen

Rödermark hat in den vergangenen 15 Jahren viel Geld in die Modernisierung seiner Kläranlage gesteckt. 28 Millionen Mark kostete 1993 bis 1995 eine Rundumerneuerung, die die Reinigungstechnik auf den aktuellen Stand der Dinge brachte. Auf knapp sechs Millionen Euro summieren sich die jüngeren Investitionen: 3,5 Millionen Euro, um die strengen Grenzwerte für Ammoniumstickstoff einzuhalten; 2,3 Millionen Euro für den Bau eines 2 400 Kubikmeter fassenden Speicherbeckens samt Schmutzwasser-Hebewerk. Das Becken soll den bei starkem Regen überlasteten Sammler aus dem Breidert entlasten und verhindern, dass ungeklärtes Dreckwasser direkt in die Rodau fließt.

Alles andere als naturnah: in Ober-Roden fließt die Rodau zuerst durch Rohre und dann durch eine Betonrinne.

Die Gewässergüte ist indes nur ein Indikator für die Qualität der Rodau. Die so genannte Struktur-Güteklasse berücksichtigt auch Faktoren wie den Bachlauf, Wassertiefe, Querprofil, Uferbewuchs und etliches mehr. Hier schneidet die Rodau - bedingt durch die Begradigung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts - deutlich schlechter ab. Damals sollte sie möglichst schnell fließen, damit sie den Dreck abtransportiert.
Seit Mitte Juni lässt die Stadt die Rodau renaturieren. Zwischen Badehaus und Rödermarkring-Brücke soll sie in Schleifen durch eine von Menschenhand geschaffene Auenlandschaft fließen.

Bei einer Magistratssitzung überzeugten sich der Erste Stadtrat Alexander Sturm sowie die ehrenamtlichen Magistratsmitglieder Thomas Brammer-Türck, Hans Sulzmann und Michael Uhe-Wilhelm vom Fortgang der Arbeiten. Durch die Regenfälle der letzten Juli-Tage hatte sich schon Wasser im künftigen Bachbett gesammelt.

Trotz des unbeständigen Wetters liegen die Arbeiten im Zeitplan. Der neue, mäandernde Bachlauf wird abschnittsweise hergestellt. Begonnen wurde unweit des Rödermarkrings, wo die „neue“ Rodau wieder ins alte Bachbett eingeleitet wird. Als nächste Schritte stehen die Feinmodellierung des neuen Gerinnes und die Herstellung von Steinschüttungen an. Die Maßnahme wird überwiegend aus Mitteln des Landes Hessen finanziert.

Die Renaturierung der Rodau kostet die Stadt weit weniger Geld als geplant. Bürgermeister Roland Kern bezifferte die Kosten Ende Mai mit 370 000 Euro. Das Land schießt 260 000 Euro zu. Ende 2008 ging der Magistrat noch von fast 630 000 Euro Renaturierungskosten aus.

Quelle: op-online.de

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