Stadt regelt Vereinsförderung neu

Die Kürzung auf Null ist vom Tisch

Rödermark - Auch die mehr als 70 Sport-, Kultur- und Sozialvereine sowie kirchliche Gruppen müssen sich einschränken, damit die Stadt ihre Finanzen in den Griff bekommt. Die Förderung wird gekürzt - einmalig um 25 Prozent.

Aber sie wird nicht bis 2017 de facto abgeschafft, wie es die Stadtverordnetenversammlung im Februar 2013 beschlossen hatte. Die Vereinsförderung in den kommenden vier Jahren um jeweils 50.000 Euro senken: So lautete damals die Vorgabe, damit Rödermark unter den Schutzschirm des Landes kam. Bei einer Fördersumme von 220.000 Euro wäre so gut wie nichts mehr übrig geblieben. Die Vorstände protestierten leise, aber effektiv. Nach mehreren Gesprächsrunden überarbeitete der Magistrat die Richtlinien. Der Grundgedanke: Vereine mit vielen jugendlichen und aktiven Mitgliedern fahren weiter recht gut. Wer viele passive Mitglieder in seinen Reihen hat, kriegt weniger Geld. Bürgermeister Roland Kern stellte die Richtlinien am Dienstagabend zur Diskussion.

„Wir kürzen die Zuschüsse dieses Jahr um 25 Prozent. Aber dann gibt es keine weiteren Einschränkungen mehr“, sagte Kern. Rödermark wende sich zugunsten seiner Vereine „ganz massiv“ von den Sparzielen ab, die der Schutzschirmvertrag vorgebe. Die Reaktion beschrieb er so: „Es gab keine Jubelstürme, aber Verständnis.“ Nach dem Stand der Dinge bekommen alle Vereine, die dieses Jahr Geld für Investitionen beantragt haben, die Zuschüsse in voller Höhe: 20.000 Euro für die Gallus-Gemeinde, 180.000 Euro für den MTV, 16.000 Euro für die Freie evangelische Gemeinde, 9000 Euro für die Diana.

Entgegengekommen ist die Stadt den Vereinen auch bei Kleinigkeiten. So werden die Zuschüsse bei Freizeiten pro Person und Tag nur noch um 50 Cent und nicht mehr um bis zu 1,50 Euro gekürzt. Härtefälle gibt es auch nach der Neuregelung. Kern wies auf die Seniorenhilfe hin, die die Hälfte ihrer Förderung verliert. Das relativiere sich aber, wenn man die Summe betrachte: Statt 1 500 sind's nur noch 750 Euro. Diese Differenz könne die Seniorenhilfe ausgleichen, indem sie ihren Jahresbeitrag von 7,50 auf 12 Euro erhöhe.

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Scharfe Kritik kam von der SPD. „Vereine sind eine tragende Säule unseres Gemeinwesens. Daher Finger weg von der Förderung“, forderte Stefan Junge, der auch stellvertretender Vorsitzender des Ortsvereinsrings ist. Die Genossen vermissten vor allem Zahlen, wie sich die Neuregelung auf die einzelnen Vereine auswirkt. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Norbert Schultheis sah die Vereine doppelt bestraft: Die Förderung sei seit 2003 nicht mehr erhöht worden. Angesichts einer Inflationsrate von zwei Prozent pro Jahr hätten sie jetzt also fast ein Viertel weniger Geld in der Kasse. Über höhere Mieten für städtische Hallen würden sie schon seit 2013 ihren Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leisten. Die SPD lehnte die neuen Richtlinien als einzige Fraktion ab. FDP und Freie Wähler enthielten sich. Peter Schröder (FWR), in mehreren Vereinen sportlich aktiv, wollte die Nutzer städtischer Hallen noch stärker belasten und Vereine mit eigenen Hallen von Kürzungen bei Reparaturen ausnehmen.

(lö)

Quelle: op-online.de

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