Zwei tragische Helden des Alltags

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Hildegard Vetter-Dreyer und Matthias Krämer hatten vorbildlich Erste Hilfe geleistet, als im Juni ein 64-jähriger Jogger zusammenbrach. Landrat Oliver Quilling, Kreisbrandinspektor Ralf Ackermann und Dr. Frank Naujoks, der leitende Notarzt des Kreises, dankten den beiden Urberachern, auch wenn ihr Einsatz vergeblich war: Der Sportler starb noch am Unglücksort.

Urberach/Dietzenbach - Hildegard Vetter-Dreyer und Matthias Krämer haben alles richtig gemacht, und doch war ihr vorbildliches Handeln vergeblich: Der Mann, den sie am Vormittag des 23. Juni zu retten versucht hatten, starb trotz aller Bemühungen. Von Michael Löw

Landrat Oliver Quilling, Kreisbrandinspektor Ralf Ackermann und Chef-Notarzt Dr. Frank Naujoks zeichneten die tragischen Helden des Alltags dennoch aus und nahmen ihnen einen Teil jener unausgesprochenen Zweifel und Selbstvorwürfe, die ein solches Erlebnis hinterlässt.

Hildegard Vetter-Dreyer und ein Bekannter (64) waren an diesem 23. Juni joggen, achteinhalb ihrer zehn Kilometer hatten sie schon hinter sich. „Auf einmal schreit es hinter mir Hildegard, Hildegard!“, schilderte sie den Beginn hochdramatischer Minuten. Ihr Laufpartner lag auf dem Boden, die Augen blickten starr in den Himmel, Hildegard Vetter-Dreyer schrie aus Leibeskräften um Hilfe. Eine zweite Joggerin alarmierte per Handy den Notarzt, Hildegard Vetter-Dreyer begann derweil mit der Herzmassage. Matthias Krämer, der zufällig vorbei kam, löste sie ab. Er habe gepumpt wie ein Verrückter und dem Leblosen „Backpfeifen wie im schlechten Film verpasst“.

Nur sieben Minuten nach dem Alarm waren Notarzt und Rettungsdienst am Eisenkautenweg, da dachte Matthias Krämer: „Wir schaffen"s!“ Umso größer war der Schock, als der 64-Jährige den Profis unter den Händen wegstarb.

„Dennoch führten beide eine sehr effektive Herz-Lungen-Wiederbelegung durch“, lobte Ackermann. Die Besatzung des Notarztwagens hatte die Ehrung vorgeschlagen. 60 Prozent der medizinischen Notfälle passieren im häuslichen Umfeld, der Rest außerhalb davon. Und genau da sind Helfer wie die beiden Urberacher vonnöten. Schweben Menschen in unmittelbarer Lebensgefahr, ist nicht nur der rasche Notruf entscheidend. Genauso wichtig sind lebensrettende Sofortmaßnahmen, um die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken.

„Die Ersthelfer sind das erste Glied in der Rettungskette“, betonte Landrat Quilling. Nur wenn sie mit Herzmassage oder Beatmung beginnen, hat das Gehirn des Patienten eine Überlebenschance, bis der Rettungsdienst da ist.

Umso alarmierender ist eine aktuelle Umfrage, wonach rund 60 Prozent aller Zeugen keine Erste Hilfe leisten würden, stellte Ackermann fest. Gründe sind Angst vor Infektionen, Verletzung und Unannehmlichkeiten sowie die Befürchtung, etwas falsch zu machen.

Die räumt Dr. Frank Naujoks mit drastischen Worten beiseite: „Auch die Angst, bei der Herzdruckmassage Rippen zu brechen, ist unbegründet. Der Patient hat leider nichts davon, mit einem intakten Brustkorb eingesargt zu werden!“

Quelle: op-online.de

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