Zweitklässler sind zunächst Eier- und dann Kükenpaten

Drei Wochen warten aufs erste Piepsen

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Durch ein kleines Guckloch können die Kinder verfolgen, was im Brutkasten passiert – doch spannend wird’s erst am 21. Tag, wenn sich die kleinen Küken durch die Schale picken.

Ober-Roden - Eine ungewöhnliche Patenschaft hat die Klasse 2 b der Trinkbornschule übernommen. Die Kinder und ihre Lehrerin Ruth Zander kümmern sich um 25 Eier, aus denen in gut drei Wochen flauschige Küken schlüpfen sollen. Von Christine Ziesecke 

Mario Luther, der Vorsitzende des Geflügelzuchtvereins Rödermark, hat einen schon fast historischen Brutkasten aus den 50er Jahren in der Schule aufgestellt. Nach dem Aufbau bekamen die Kinder erste Informationen, was in den nächsten 21 Tagen passiert. Dann schob Luther die Eier auf einem Rost in den Kasten. Drei Tage brauchen sie nun nicht bewegt zu werden, danach heißt es jeden Tag die Eier vorsichtig zu wenden - auch an Samstagen und Sonntagen. Diese „Überstunden“ übernimmt die Lehrerin; sie wird auch täglich kontrollieren, ob die Temperatur bei 37,8 Grad und die Luftfeuchtigkeit im Brüter auch bei 50 bis 60 Gramm pro Kubikmeter bleiben. Sonst muss sie nachregeln.

Nach exakt einer Woche kommt Mario Luther wieder vorbei und „schiert“ die Eier - mit einer Lampe werden sie einzeln durchleuchtet, um zu sehen, welche befruchtet sind. Die anderen sortiert er sofort aus, denn eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. „Und wenn gar kein Ei dabei ist, aus dem später Küken schlüpfen, dann bekommt ihr noch eine neue Ladung“, versprach Mario Luther. Die Eier hat er aus seinem Gehege entnommen, und da er einen ganz jungen Hahn hat, ist er noch nicht so sicher, ob’s auf Anhieb klappt.

Eier mit abgestorbenen Küken

Mario Luther, Vorsitzender des Geflügelzuchtvereins, erklärt Lehrerin Ruth Zander, wie sie die Eier täglich ganz sanft drehen muss.

Nach dem „Schieren“ wird weiter täglich gedreht. Am 18. Tag untersucht Luther die Brut noch einmal ganz genau und wirft Eier mit abgestorbenen Küken weg. Alle anderen werden dann auf die so genannte „Schlupfhorde“ umgepackt, wo sie in kleinen Gruppen getrennt voneinander liegen. Dann folgt die spannendste Zeit: drei Tage Ruhe, in denen der Brüter nicht mehr geöffnet werden darf, denn jetzt wird’s langsam lebendig drinnen.

Am 22. Tag, wenn hoffentlich möglichst viele Hühnchen sich durch die Schale gepickt haben, werden sie ins „Kükenheim“ umgesetzt. Ein großer Karton wird sie noch ein oder zwei Tage in der Schule beherbergen, und spätestens dann werden die Kinder wohl Schlange stehen in dem Raum, in dem ein Poster erläutert, wie aus dem befruchteten Ei ein Küken wird.

Eine Woche nach dem Schlüpfen sind die Küken schon beim Geflügelzuchtverein heimisch geworden. Dann wollen einige Klassen einen Ausflug nach Urberach machen und nach „ihren“ Küken schauen. Vielleicht spekulieren die Kinder ja auf den Herbst, wenn beim Geflügelzuchtverein die Lokalschau mit einer Auszeichnung der besten Tiere über die Bühne geht. Vielleicht gibt’s dann ja sogar einen Preis für eines „ihrer“ Hühner.

Erst einmal sind die Kinder sehr gespannt und beobachten die Entwicklung. Und prompt kam natürlich aus allen Ecken die Frage: „Dürfen wir dann am Ende eines der Küken mitnehmen?“ Dieser Hoffnung musste Mario Luther schnell eine Abfuhr erteilen: „Die Kleinen fühlen sich nur in der Gruppe wohl!“ Was auch die Lehrerinnen und Lehrer enttäuschte, denn auch sie hatten schon ihre Wünsche geäußert...

Ein großes Vergnügen ist der Brutkasten trotz aller Arbeit aber auch für Ruth Zander: „Ich hab schon als Kind immer selber ein Huhn ausbrüten wollen und habe nie verstanden, wenn mein Vater mir erklärt hat, dass dies nicht geht. Jetzt kann ich mir diesem Wunsch erfüllen.“

Impfung von 2000 Küken

Impfung von 2000 Küken

Quelle: op-online.de

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