Römersandale und High Heels

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Studentin Adriane Urbanek (24) mit ihrem Modell, das den industriellen Charakter der Schuhherstellung betont; rechts Frank F. Drewes. 

Offenbach - „Den Schuh ins rechte Licht setzen“, das war der Auftrag. Die Aufgabenstellung von Professor Frank F. Drewes: Von Markus Terharn 

 „Entwerfen Sie eine Ausstellungspräsentation, die sowohl den bis zu 4000 Jahre alten Exponaten der Sammlung als auch den zeitgenössischen Stücken gerecht wird. “ Oder wie Kustodin Rosita Nenno, stellvertretende Leiterin des Deutschen Ledermuseums, es auf den Punkt bringt: „Von der Römersandale bis hin zu Manolo Blahnik. “.

Dessen High Heels sind den Studentinnen im Masterstudiengang Innenarchitektur der Hochschule Darmstadt, alle Mitte 20, vielleicht aus der TV-Kultserie „Sex and the City“ vertraut. Unbekannt dürfte ihnen der erste Stock des historischen Lagerhauses an der Frankfurter Straße 86 gewesen sein. Ob sie die aus der Wiederaufbauphase ab 1950 herrührende Zweiteilung in eine europäische, modisch orientierte, sowie eine außereuropäische, kulturgeografisch aufgestellte Abteilung beibehalten, war ihnen freigestellt – ebenso, ob sie die Wilhelm-Düncher-Galerie einbeziehen. Wichtig war das Beleuchtungskonzept: „Leder ist äußerst lichtempfindlich, und die wertvollen und historischen Exponate dürfen nicht dem Tageslicht ausgesetzt werden.“

Unterzubringen waren 400 bis 500 (bisher 800) der insgesamt 20.000 Exemplare aus der Sammlung. Dazu zählen Joschka Fischers Turntreter ebenso wie sogenannte Kadaitja-Schuhe aus dem Haarfilz eines Beuteltiers. Mediale Methoden galt es einzubauen, audio-akustisch geführte Erkundung sollte ebenso möglich sein wie der Rundgang auf eigene Faust, verbunden mit der Lektüre von klassischer Beschilderung.

„Sehen. Fühlen. Erleben.“ Das sind die Stichworte für Lisa Grassnik. Sie ging historisch vor. An der „Timeline“ reihen sich Trends von gestern, heute oder gar morgen auf, präsentiert in Sideboards mit Glaskuben und Auszügen: Anfassen teils erlaubt! Daniela Binnes hat die vorgefundenen Achsen als Element übernommen und will die Stücke wie im Schaufenster exponieren. Oder auch in Lederkoffern, um die Vielseitigkeit des Materials zu betonen. In Kreativräumen darf der Besucher aktiv werden. Auch ein Kino ist vorgesehen.

Kirsten Müller will die alten Holzständer, bislang in den Vitrinen verborgen, freilegen und einbeziehen. Bei ihr bilden sie eine Sichtachse, in die sie Boxen einbettet, zu einer Seite offen, jedoch nicht begehbar. Die Schuhmacherwerkstatt findet ihren Platz, und die Wände erhalten eine zweite Haut aus eingefärbtem Glas, das schädliches Tageslicht ausschließt, sanftes Kunstlicht einlässt. Sandra Iwanow hat den Boden mit einem Raster aus Stahlschienen überzogen. In ihm sind Tischvitrinen, saalhohe Vitrinen und Regale angeordnet, welche die freistehenden Stützen umspielen. Stahl, Holz und Glas prägen die Optik ihres Entwurfs.

Adriane Urbanek nimmt Bezug auf die Handwerklichkeit der Schuhfertigung; sie betont sehr stark den industriellen Charakter. Der chronologisch gehaltene Rundgang schließt Maschinen ein. Die Studentin hat Ansichten alter Fabriken recherchiert und etwa einen bestimmten Regaltyp übernommen. Bei Viktoria Masterovenko sind Aktivität und Abenteuerlust gefragt. Ihr Plan sieht ein Labyrinth vor, in dem der Besucher auf Entdeckungsreise geht. Sie setzt auf Kontraste: Schwer und leicht, hell und dunkel, eng und weit. Glaskuben und Holzlamellen zeigen aktuellen Einrichtungsstil. „Erstmal sind das Hirngespinste“, spitzt Nenno zu. Brotlose Kunst soll es indes nicht sein: „Zum 100. Geburtstag des Museums, 2017, wünsche ich mir eine Umgestaltung.“ Möglich, dass darin Ideen der jungen Damen einfließen. Von heute an bis 6. Oktober können Besucher deren Vorschläge begutachten und ihre Meinung kundtun. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr.

Quelle: op-online.de

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