Deutsches Romantik-Museum

Die Sehnsucht endlich gestillt

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Die in über 100 Archivkartons gelagerten Schriftstücke sollen das Herz des geplanten Romantikmuseums direkt neben dem Goethemuseum bilden.

Frankfurt - Es war ein nervenaufreibender Weg dorthin, doch das Ziel ist erreicht: In Erweiterung des Frankfurter Goethe-Hauses wird das Deutsche Romantik-Museum gebaut. Von Christian Riethmüller 

Wie Anne Bohnenkamp-Renken, Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts, gestern in Frankfurt sagte, ist im Januar dieses Jahres ein Architektenwettbewerb ausgerufen worden, zu dem insgesamt 16 Büros eingeladen wurden. Über die eingereichten Entwürfe soll ein Preisgericht am 27. Mai entscheiden. Als Bauzeit sind zwei Jahre veranschlagt. Die Eröffnung ist für 2018 vorgesehen.

Dieser wohlkalkulierte Fahrplan könnte fast vergessen machen, dass noch vor wenigen Monaten das Projekt Romantikmuseum eine „blaue Blume“ zu bleiben schien. Dieses Symbol stand in der Epoche der Romantik für die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren. Grund war allerdings nicht etwa eine unmögliche Liebe, sondern das fehlende Geld.

16 Millionen Euro Kosten sind für das neue Gebäude, die Einrichtung der Dauerausstellung und die nötige Museumstechnik insgesamt kalkuliert. Diese Summe sollte zu je einem Viertel vom Bund, vom Land Hessen, von der Stadt Frankfurt und vom Freien Deutschen Hochstift, dem Träger des Goethe-Hauses, übernommen werden. So sahen es zumindest die Pläne im Jahr 2012 vor, als das Gebäude neben dem Goethe-Haus im Großen Hirschgraben frei wurde. Damit ergab sich die einmalige Chance, das Goethe-Haus und das Goethe-Museum so zu erweitern, dass endlich auch die einzigartigen Sammlungen des Hochstifts der Öffentlichkeit präsentiert werden können. Bisher lagern diese Bestände zu Schlüsselfiguren der Epoche der Romantik wie Novalis, den Geschwistern Brentano oder Joseph von Eichendorff in den Archivkellern.

Land und Bund bleiben bei der Stange

Die Idee vom Museumsanbau wurde im vergangenen Jahr dann aber ausgerechnet von der Stadt torpediert, obwohl das Goethe-Haus zu den größten Touristenmagneten Frankfurts gehört. Die schwarz-grüne Koalition im Römer hatte aber von einem Tag auf den anderen das rigorose Sparen zum Credo erhoben und verkündete, die Stadt könne ihren Anteil von vier Millionen Euro nicht beisteuern.

Den Imageschaden für Frankfurt einmal beiseite, stellte sich sofort die Frage, wie dieses Finanzierungsloch gestopft werden könnte. Das Hochstift, das ja nun auf einmal acht Millionen Euro zu beschaffen hatten, konnte sich aber auf viele große und manche kleine Spenden verlassen. 700 Einzelspenden brachten zusammen 6,2 Millionen Euro. Große Beträge kamen dabei von Banken, Stiftungen sowie vom Kulturfonds FrankfurtRheinMain, aber auch von Einzelpersonen wie dem Kölner Galeristen Karsten Greve, der eine Million Euro für das Vorhaben zur Verfügung stellte.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und seine Vorgängerin Petra Roth (CDU) sorgten derweil hinter den Kulissen dafür, dass Land und Bund bei der Stange blieben und nicht etwa Weimar als zweite große Goethe-Stadt in Deutschland Gelüste auf den Handschriften-Schatz des Hochstifts entwickelte.

Ein Erlebnismuseum

Vor solchem Einsatz wollte schließlich auch der Magistrat der Stadt Frankfurt nicht mehr die Augen verschließen. Kurz vor Weihnachten durfte Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) noch die gute Nachricht verkünden, dass die Stadt bei der Finanzierung jenen Fehlbetrag übernehmen werde, der nicht über Spenden eingeworben werden könne. Im Dezember 2013 waren dies 1,8 Millionen Euro. Die Stadt stellt außerdem in Erbpacht das Grundstück für das Museum zur Verfügung und entwickelt über ihre Baugesellschaft ABG auch die Nachbarschaft der Goethe-Höfe. Dort sollen - neben der Sanierung des als Theater genutzten Cantate-Saals - Wohnungen entstehen.

Für den Museumsbau selbst sind auf dem Grundstück 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche für die Gemäldegalerie der Goethezeit, 600 Quadratmeter für die Epoche der Romantik und 600 Quadratmeter für einen Wechselausstellungsbereich vorgesehen. Präsentiert werden Originale (Manuskripte, Gemälde, Alltagsgegenstände), verbunden mit interaktiven Ausstellungsformen. Geplant ist ein sogenanntes Erlebnismuseum.

Quelle: op-online.de

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