Rosenheims Werke schlecht verkauft?

Marcus FringsFoto: Georg

Unüberbrückbare Differenzen bei der Konzeption nennt Frings als Grund: Nachdem ihm die Bernd-Rosenheim-Stiftung als Museumsträger zum 19. März gekündigt habe, „mit vorgeschobener Begründung“, habe er den „Vertrauensbruch“ am Vortag mit einer außerordentlichen Kündigung quittiert. Vom Kuratorium war zu Details gestern keine Stellungnahme zu erhalten.

Mit Frings verlassen die drei Aufsichtskräfte das Haus am Dreieichpark. Der Freundeskreis habe sein Engagement beendet.

Frings war nicht angestellt, er hatte einen Beratervertrag mit kurzer Kündigungsfrist – aus wichtigem Grund sogar fristlos. Nach Darstellung von Heinz Meyer, der mit Rosenheim das Kuratorium bildet, war von vornherein geplant, niemanden auf Dauer mit der Leitung zu betrauen.

Mit der Arbeit von Frings, der im Dezember 2007 mit dem Aufbau begonnen und das Haus seit April 2008 geführt hatte, sei man zufrieden, so Meyer. Dennoch habe man es an der Zeit gefunden, von seinem Recht Gebrauch zu machen und die Stelle mit jemandem zu besetzen, „der besser in die Situation passt“. Mit Kunsthistorikerin Hanneke Heinemann aus Frankfurt glaubt die Stiftung diese Person gefunden zu haben: „Sie bringt alle Voraussetzungen mit für den nächsten Schritt.“

Über Hintergründe seiner Kündigung mag Frings nicht spekulieren. Er glaubt, er habe Rosenheims Werke „nicht genug propagiert und nach Frankfurt verkauft“. Die Pflege seines Schaffens sei einer der Stiftungszwecke, dem er mit Werkverzeichnis und Aufnahme von 70 Spitzenwerken nachgekommen sei.

Den anderen, die Förderung zeitgenössischer Kunst, habe er mit der Vergabe des Rosenheimpreises und der laufenden Ausstellung mit Plastiken Rainer Kurkas befolgt. „Es ist, was Besucherinteresse, Katalogverkauf und Interesse von Sammlern angeht, bisher die erfolgreichste.“ Zur Eröffnung strömten 120 Besucher. Fünf von sechs zu erwerbenden Objekten des Darmstädters, den Frings ausgesucht hatte, fanden schon einen Liebhaber.

Eigentlich hatte der 44-Jährige sich drei Jahre Zeit für seine Arbeit gesetzt. Das Projekt „Stark und Schwach. Jugendliche Bildhauerkunst im Nordend“ mit männlichen Migranten aus dem Problemstadtteil soll weiterlaufen wie geplant. Die „Nacht der Museen“ soll mit dem von Frings konzipierten und organisierten Programm stattfinden.

Insofern sieht Frings die Einrichtung auf einem guten Weg, „nicht zuletzt dank der freundlichen Aufnahme in Offenbach und der vielfältigen Unterstützung, die ich erfahren habe“. Es sei höchst reizvoll gewesen, „das Museum aufzubauen, Strukturen zu schaffen, den Betrieb zum Laufen zu bringe und dem Haus ein Gesicht zu geben“. OB Horst Schneider habe ihm signalisiert, dass er ihn gern in Offenbach gehalten hätte. Eine neue Aufgabe hat der in Darmstadt lebende promovierte Kunsthistoriker noch nicht gefunden.

Nachfolgerin Heinemann, ebenfalls in Kunstgeschichte promoviert, will sich kommenden Dienstag an ihrer neuen Wirkungsstätte vorstellen. Geboren 1966 in Leverkusen und aufgewachsen im westfälischen Ibbenbüren, studierte sie in Marburg und Venedig, lebte und arbeitete in Rom und schrieb in Frankfurt ihre Doktorarbeit über den Mailänder Bildhauer Arnaldo Pomodoro. Erfahrungen auf den Gebieten Ausstellungsorganisation, Öffentlichkeitsarbeit und Museumspädagogik sammelte sie als Volontärin am Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern.

Bereits am 2. Mai soll die erste von Heinemann kuratierte Schau mit dem Titel „Poesia dipinta“ eröffnet werden. Gewidmet ist sie der Italienerin Nora Orioli, einer langjährigen Bekannten Rosenheims, die als Malerin des sozialen Realismus gilt; dauern soll sie bis zum 14. Juni. Dazu kommen Leihgaben aus anderen Museen. Vom 5. Juli bis 13. September folgt die Ausstellung „Das Rauhe und das Lichte“ mit Stahlskulpturen von Gertrude Reum, die teils im Park Platz finden. MARKUS TERHARN

Quelle: op-online.de

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