Rossini kess und kompakt

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Opern-Minimalismus mit Herz und Humor.

Dreieich - Neugier wecken konnte nicht nur die Ankündigung von Rossinis Oper „Die diebische Elster“, die abgesehen von ihrer schmissigen Ouvertüre fast vergessen ist. Von Eva Schumann

Das Gastspiel der Kammeroper München verhieß eine jener kessen Kompakt-Produktionen, wie man sie im Offenbacher Capitol erleben konnte.

Die Erwartungen wurden nicht enttäuscht. In der deutschen Neufassung und der Einstudierung von Dominik Wilgenbus wurde die Oper abgespeckt und aufgefrischt präsentiert. Dass erstmalig Puppen mit agierten, war ein besonders hübscher Einfall, geschickt gelenkt vom Puppenspieler Moritz Trauzettel. Karg, aber multifunktional war die Bühnenausstattung (Katharina Raif), umso lustiger die Stilmischung der Kostüme.

Ohne dass der Ernst der Semiseria zu kurz kam, sorgten gerade die Reduktionen für Komik. Eine parodistische Note hatte schon das Miniatur-Orchester aus je fünf Streichern und Bläsern, respektlos ergänzt durch die Klangfülle des völlig unklassischen Akkordeons. Im Arrangement von Alexander Krampe fehlt zwar der berühmte Ouvertüren-Trommelwirbel, doch brachten auch die wenigen Musiker im Tutti und als Streich- oder Bläserquintett zündende Melodien und Schmelz recht farbig zur Geltung.

Denn das Schicksal der Protagonistin wechselt rasch von Glück zu tiefstem Unglück. Das Dienstmädchen Ninetta, hoch erfreut über die Rückkehr ihres Giannetto aus dem Militärdienst, wird des Diebstahls bezichtigt. Am Besteck für die Festtafel fehlt ein Silberlöffel. Dass Ninettas fahnenflüchtiger Bruder Fernando ihr einen Silberlöffel zusteckt, den sie zu Geld machen soll, wird ihr zum Verhängnis. Zu allem Übel hat der Bürgermeister ein Auge auf sie geworfen und versucht vergeblich, die Standhafte zu erpressen.

Vor dem erwarteten Tod schenkt Ninetta dem Dorfjungen Pippo ihr Schmuckkreuzchen. Die diebische Elster stiehlt es ihm, er findet in ihrem Nest den Silberlöffel, Ninetta ist rehabilitiert. Die Inszenierung gibt dem Opernkrimi einen versöhnlichen Schluss.

Als Ninetta nahm Simona Eisinger ganz und gar für sich ein. Die junge Sopranistin wusste extreme Gefühle überzeugend zu gestalten und verfügte über die für Rossini-Koloraturen notwendige „geläufige Gurgel“. Anrührend waren die Duette, ein Höhepunkt das Abschiedsduett mit Pippo. Als der in Ninetta verliebte Halbstarke bezauberte Altus Thomas Lichtenecker mit wunderschöner Stimme. Trotz bösem Charakter des Bürgermeisters gefiel der wohlklingende Bass von Peter Maruhn. Als Giannetto fiel Tenor Ondrej Saling ihnen gegenüber etwas ab. Doch punkteten er sowie Jean Bermes, Jasmina Favre und Giulio A. Caselli mit großer Spielfreude und vortrefflichen Ensembles. Für präzisen Zusammenhalt, selbst in weiter Entfernung, sorgte der junge Dirigent Philipp Armbruster.

Quelle: op-online.de

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