Rückblick auf ein Theater-Jahrzehnt

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Die Neuseeländerin Kate McIntosh stellt ihre Performance „Dark Matter“ vor.

Frankfurt - Mit dem Plateaux-Festival am Frankfurter Mousonturm wird es ein Ende haben. Niels Ewerbeck, der mit dem Beginn des Jahres 2012 die Intendanz des Hauses übernehmen wird, will es nicht fortführen. Von Stefan Michalzik

Für die letzte Ausgabe, die für Ende April bis Anfang Mai angekündigt ist, sind noch einmal Künstlerinnen und Künstler eingeladen worden, die hier einst eine ihrer ersten Arbeiten entwickelt haben und sich inzwischen einen internationalen Ruf erspielen konnten; außen vor blieben bei der Auswahl von Kurator Martin Barsch Künstler, die ohnedies in den Spielplan des Mousonturms eingegangen sind.

Das Plateaux-Festival hat der Mousonturm im Jahr 2000 ist gemeinsam mit der Kulturstiftung einer Großbank entwickelt, die über zehn Jahre hinweg die finanzielle Ausstattung gesichert hat. In diesem Jahr ist der Verein der Freunde und Förderer des Mousonturms wichtigster Geldgeber. Als Produktionsfestival hatte Plateaux Absolventen der Theaterschulen die Möglichkeit eines ersten Schritts unter den Bedingungen eines professionellen Theaters geboten. Monster Truck, Rimini-Protokoll und She She Pop gehören zur Reihe der heute namhaften einstigen Entdeckungen, die aus dem Festival hervorgegangen sind.

Menschen von der Straße beim Videodreh

„Long Time/No See/How Come“ lautet das Motto der letzten Ausgabe. Die Neuseeländerin Kate McIntosh greift für ihre Showperformance „Dark Matter“ im Zeichen des Glamours den alten Traum auf, aus Nichts Gold zu produzieren. Der in Berlin lebende Künstler Ulf Aminde lädt für seine Videoarbeit „auf Probe“ Menschen von der Straße ins Theater und gibt ihnen die Rolle des Regisseurs anheim. In „lust“, einer weiteren Videoarbeit, hat der Lothar-Baumgarten-Schüler seine mit einer Unzahl Hasen in einer Hochhaussiedlung lebende Cousine gefilmt und ihr in Umkehrung der Rollen die Kamera überlassen.

Der gleichfalls von der Bildenden Kunst her kommende Italiener Cristian Chironi dringt in „Cutter“ mit dem Papiermesser in immer tiefere Schichten der Seiten von botanischen und zoologischen Büchern ein und seziert dergestalt fantastische Naturbilder. Antonia Baehr betreibt Identitätsforschung anhand von Aufnahmen des Lachens, die ihr auf Einladung eine Reihe von Freunden, Verwandten und Künstlerkollegen zur Verfügung gestellt haben.

Dokumentation über das britisches Duo Lone Twin

Das britische Duo Lone Twin lädt Menschen dazu ein, ein Holzobjekt – etwa ein Möbelstück oder eine Tür – für den Bau eines Bootes zur Verfügung zu stellen. Die Spender und Boot verbindende Geschichte wird in „The Boat Project“ einfließen; „Nine Years“ dokumentiert die Arbeiten des Duos, die in den Jahren seit der ersten Teilnahme an Plateaux entstanden sind. Elf Künstlerinnen und Künstler werden insgesamt auftreten, die beiden Konzerte mit der Berliner Elektrofolkband Bodi Bill sind bereits ausverkauft.

Die Notwendigkeit eines Produktionsfestivals für den künstlerischen Nachwuchs besteht, wie Martin Barsch und der scheidende Mouson-Intendant Dieter Buroch übereinstimmend betonten, unvermindert. Burochs Nachfolger Niels Ewerbeck hege den Plan, Entsprechendes in einer neuen Form, mit einem anderen Etikett und einem neuen Kurator zu betreiben.

Quelle: op-online.de

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