Saison endet mit stimmkräftigem Chor-Gassenhauer

Die Konzertsaison der Offenbacher Capitol Lounge endete, bildlich gesprochen, mit einem Paukenschlag. Ist doch Carl Orffs Kantate „Carmina Burana“ ein Publikumsrenner, der das Capitol trotz Frühlingswetter füllte. Von Eva Schumann

Die mittelalterliche Sammlung von Vaganten- und Liebeslyrik wäre heute vermutlich nur Fachleuten bekannt, hätte nicht Orff sich von ihr zu seiner zündenden Komposition inspirieren lassen. 1937 in Frankfurt uraufgeführt, wurde sie zum meistgespielten Chorwerk des 20. Jahrhunderts.

In Wirklichkeit gab es zahlreiche Paukenschläge, nicht nur bei Orff, sondern auch bei Richard Strauss. Denn in seinem Klavierkonzert d-Moll op. 11, das den Abend eröffnete, ist die Pauke geradezu solistischer Partner des Pianisten. Das originelle Jugendwerk hielt der erste Widmungsträger Hans von Bülow einst für unspielbar. Im Capitol bewies Markus Bellheim das Gegenteil. Die rasanten Oktavgänge und chromatischen Passagen beherrschte er mit atemberaubender Leichtigkeit. Die Neue Philharmonie Frankfurt, dirigiert vom Wahl-Offenbacher Roland Böer, führte mit dem Pianisten so übermütige wie präzise Dialoge. Freche Rhythmen, chopineske Episoden und Walzerseligkeit kamen unterhaltsam zur Wirkung. Der gefeierte Pianist krönte seinen Auftritt mit einer peppig-jazzigen Zugabe.

Kraftvoll, mit exakten und knackigen Rhythmen

Christoph Siebert war es gelungen, das Offenbacher Vokalensemble Prophet und den Ricarda-Huch-Chor Dreieich homogen zu verbinden. Kraftvoll, mit exakten, knackigen Rhythmen erklang der Eingangschor „O Fortuna“. Dem überaus genauen und temperamentvollen Dirigat Böers aufmerksam folgend, wurde auch die Dynamik gut umgesetzt. Als Solist war Peter Schüler ein eindringlicher, beredter Gestalter. Seine große Szene hatte er als angetrunkener Abt im zweiten Teil „In Taberna“, wo er schauspielerische Gaben einbrachte. Im lateinisch-provenzalischen „Dies, nox et omnia“ verstieg er sich in ungewohnte Tenor-Höhen. Ganz hoch hinauf musste auch Tenor János Ocsovai als Schwan, der auf dem Teller landet. Er sang sein Lamento unwiderstehlich. In schwindelnde Höhen trieb Orff auch die Sopranistin Deborah Lynn Cole in der Koloratur „Dulcissime“. Sopran, Bariton und Chor warfen hier einander vergnüglich die Bälle zu, provozierten Beifallsstürme und Zugaben.

Quelle: op-online.de

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