Salat und Obst statt „Schnitzelfriedhof“

Offenbach - Kohlehydrate machen dick. Gemüse ist gesund. Finger weg von minderwertigen Fetten. Das Meiste, was Patric Heizmann predigt, steht in Frauenmagazinen. Von Maren Cornils

Wenn der jungenhafte Ernährungs- und Fitnessberater mit seinem am gleichnamigen Bestseller orientierten Programm „Ich bin dann mal schlank“ trotzdem den Saal des Offenbacher Capitols füllt, liegt dies daran, wie er die Fakten verpackt. So sieht sich selbst der hartnäckigste Currywurst-Liebhaber aufgefordert, ab und an zu Salat oder Obst zu greifen. Der notorisch gut gelaunte Freiburger vermittelt seine Tipps nicht belehrend, sondern witzig und mit Bildern, die sich im Oberstübchen festsetzen.

Das Publikum, das lernen möchte, wie man bis ins Alter fit bleibt, ist überwiegend weiblich und hat Diäterfahrung. Heizmann, der wirkt, als habe er nie Gewichtsprobleme gehabt und kenne den Jojo-Effekt nur vom Hörensagen, weiß das und gesteht: „Ich war früher Nusspli-süchtig. Für Snickers-Brötchen hatte ich eine noch größere Schwäche.“ Glauben mag man das kaum, doch sein Sympathiefaktor steigt. Auch weil das „hochleistungssportmäßige Klatschen“ eine Viertelkalorie koste.

Beim „Informationsbuffet“ erfahren die Zuschauer, dass das Gehirn 25 Prozent des Kalorienbedarfs beansprucht, dass Muskeln wie Heizkraftwerke arbeiten und dass der Körper des Menschen wie eine Stadt funktioniert: „Einige unserer Zellen arbeiten in der obersten Etage, andere bei der Müllverbrennung und wiederum andere im Vergnügungsviertel!“ Gleichzeitig lernen sie, warum uns das Gehirn bei Unterzuckerung zu Kohlehydraten greifen lässt und wieso ältere Männer trotz dünner Arme und Beine oft einen „Schnitzelfriedhof“ vor sich hertragen.

Laut Heizmann sind die Deutschen das ernährungstechnisch am besten aufgeklärte Volk Europas. Und das dickste. Woran es liegt, dass der Bundesbürger lieber zu Pommes als zur Pellkartoffel greift? „Wir haben ein Umsetzungsproblem.“ Aufklären, informieren, appellieren – mit diesem Dreiklang unterhält der kabarettistisch angehauchte Abend. Wenngleich sich das Publikum die Botschaften auch hätte anlesen können. Doch nach zweieinhalb Stunden hat jeder etwas gelernt, und sei es, „dass Nüsse nur dick machen, wenn sie in Toffifee stecken“.

„Ich bin dann mal schlank“ bedient jene, denen eine Lesung zu langweilig ist. So hat Heizmann in bester Bastian-Sick-Manier geschäftstüchtig den Bestseller zur Show umfunktioniert und vermarktet sein Wissen als App. Ihm gelingt, was verbohrte Körnerfresser und fanatische Veganer nicht schaffen – ein Massenpublikum auf unterhaltsame Weise für ausgewogene Ernährung zu begeistern und ohne Zeigefinger für Qualität beim Essen zu plädieren.

Quelle: op-online.de

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