Ein sauberer linker Haken

Frankfurt - Freiheit, Frauen, Faustkampf, das sind die Koordinaten des Dichters Wolf Wondratschek. Wäre dies alles, man hätte es wahrscheinlich schon zu seiner großen Zeit in den 70er Jahren kaum ertragen. Von Markus Terharn

Weil der 67-Jährige aber nicht nur die Kraft, sondern auch das Herz und die Eleganz eines Boxers besitzt, ist die Lesung in der Frankfurter Romanfabrik gut besucht. Und ein Ereignis!.

Eine Stunde lang führt der Autor durch seinen eben bei Hanser erschienenen Roman „Das Geschenk“. Dieses besteht in einem pubertierenden Poetensohn, der am literarischen Schaffen des „nicht ganz unbekannten“ Vaters völlig desinteressiert ist. Bei diesem wiederum handelt es sich um den Titelhelden des Lyrikbandes „Chuck’s Zimmer“ (nur echt mit dem Apostroph) von 1974. Wer autobiografische Züge vermutet, liegt sicher richtig.

Dagegen irrt sich, wer eine peinliche Selbstbespiegelung befürchtet. Wondratschek wahrt angenehme Distanz. Mit sanfter Ironie und immer noch starker Stimme schildert er, wie der Vater dem Sohn zeigen will, „wie man einen sauberen linken Haken schlägt“. Und wie der Filius die ihm geschenkten Bücher unausgepackt ins Regal stellt, das so zum „Altar eines Ungläubigen“ wird.

Schöne Bilder wie dieses gelingen dem Autor auch in der Prosa zuhauf. Er hätte es gar nicht nötig, seine Sätze gestisch zu unterstreichen; sie sprechen für sich: „Hunde wedeln mit dem Schwanz, Katzen malen damit ein Lächeln in die Luft.“ Auch die ihm wichtigen Kollegen – Camus, Fitzgerald, Beckett – müsste er nicht ständig bemühen. Darf es doch wohl nur Wondratschek wagen, Donald Duck in eine Linie mit Jesus, Thomas Mann und Martin Luther King zu stellen: ein Heiterkeitserfolg.

So reihen sich Anekdoten zu einer Liebesgeschichte, zu einem Bekenntnisbuch auch. „Keiner wird Schriftsteller, der dazu nicht den Mumm aufbringt“, heißt es treffend. Und die Gedichte als Zugaben verdeutlichen, wieviel Mut dieser Mann hat – seit mehr als 40 Jahren...

Quelle: op-online.de

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