Vom Saulus zum Paulus

Frankfurt - Was hat er sich früher das Maul zerrissen über nervige Babys, Cafés mit Krabbelecke und hyperprotektive Eltern! Doch seit Michael Mittermeier im Dezember 2007 Vater geworden ist, hat er binnen neun Monaten eine Wandlung vom Saulus zum Paulus durchgemacht. Von Maren Cornils

Ob „Shit-Check“, Hechelkurs oder Kinderwagen-Kauf – seit der Geburt von Tochter Lilli ist der Komiker selbst ernannter Nachwuchsexperte und hat sein Wissen umgehend in einem Buch vermarktet.

„Achtung Baby!“ heißt es, und weil der „Michl“ nun einmal Komiker und obendrein geschäftstüchtig ist, hat er aus dem Buch gleich noch eine Comedy-Lesung gemacht. Um ausreichend Publikum muss der Münchner sich – trotz des Gesinnungswandels – keine Gedanken machen: Die Jahrhunderthalle Höchst ist beinahe ausverkauft. Kein Wunder, denn Schwangerschaft, Windelwechsel und Kindererziehung aus der Vater-Perspektive zu beschreiben ist derzeit „in“. Schriftsteller wie Jan Weiler oder Dieter Bednarz haben mit viel Humor vorgemacht, wie’s geht. Für einen Komiker wie Mittermeier ist das Ansporn, sich ebenfalls in dieses Metier zu begeben.

Was haben schwangere Frauen und Zombies gemeinsam? Wie castet man eine Hebamme? Wie legt man sabbernde Kleinkinder trocken? Und mit welchem Säuglingsvehikel schindet man bei Männern am meisten Eindruck? Mittermeier beantwortet in seinem eher als Comedy denn als Lesung angelegten Programm jede Frage, die werdenden Eltern auf den Nägeln brennt, macht dabei mal Mut, um dann wieder hemmungslos einen Gag auf Kosten potenzieller Eltern zu produzieren.

Unwissen in punkto Erstausstattung

Und davon hat er mehr als genug parat. Über sich selbst kann „der Michl“ zum Glück ebenso lachen. Und so bringt der Bayer sein Publikum nicht nur mit der Episode über den Schwangerschaftstest zum Lachen, sondern auch mit seinem Unwissen in punkto Erstausstattung: „Ich kam mir in diesem Spezialgeschäft vor wie ein Zeuge Jehovas im Beate-Uhse-Shop – total überfordert.“

„Achtung Baby!“ ist Mittermeier, wie man ihn kennt. Leicht überdreht, mitunter ein wenig zu hektisch liefert er mit typischer Körpersprache Gags am Fließband und greift dazu gern tief in die Klischeekiste. Das ist zumeist amüsant, manchmal bemüht. Sein Publikum indes ist begeistert und honoriert die Erkenntnisse des frisch gebackenen Vaters mit tosendem Beifall. Dessen Botschaft ist unmissverständlich: Ein Kind zu haben, ist toll – und das bestimmt nicht nur, weil sich damit noch mindestens zwei Programme füllen lassen ...

Quelle: op-online.de

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