„Fledermaus à trois“ bei Burgfestspielen

Schau mit Schmäh und Schampus

Dreieichenhain - Fraglos ist „Die Fledermaus“ die musikalische Krone des Operettengenres, und äußerst komisch dazu. Wie man dieses selbst von minderen Stadttheatern nicht tot zu kriegende Stück gegen den Strich bürstet, ist bei den Burgfestspielen Dreieichenhain ein Brüller. Von Markus Terharn

Die Zuschauer im ausverkauften Burggarten feiern die „Fledermaus à trois“ begeistert.

Was mit Mozart und seinem „Don Giovanni“ aufging, funktioniert auch beim Meisterwerk von Johann Strauß: Der singende Schauspieler Michael Quast und die schauspielernde Sängerin Sabine Fischmann übernehmen alle Rollen. Die Verbindung mit dem kongenialen Pianisten Rhodri Britton ermöglicht schon in der Ouvertüre frappierende Mehrstimmigkeit. Und als die Interpreten quasi vom Orchester auf die Bühne wechseln, kennt die Heiterkeit kein Halten mehr.

Quast gibt den Gesangslehrer Alfred mit Schluchzern, Kieksern und all den anderen Marotten eines Tenors, den gefoppten Eisenstein so täppisch wie abenteuerlustig, den rachedurstigen Dr. Falke mit feinem Schmäh, den Anwalt Blind steinerweichend stotternd – und die Parade-Sprechpartie des Gerichtsdieners Frosch mit einer Handpuppe, die flaue Kalauer aus dem Original-Libretto bringt und das Publikum als Ignorantenpack beschimpft, dem man diese erklären muss.

Fischmann gefällt mit hoher Wandlungsfähigkeit. Mal ist sie die Zofe Adele, die gern am Theater arbeitete und als „Unschuld vom Lande“ sehr verrucht wirkt. Dann die ehebrecherische Rosalinde, als ungarische Gräfin mit markerschütterndem Akzent den eigenen untreuen Gatten verführend. Sowie der Prinz Orlofsky, ein Neureicher, der russisch flucht und trällert. Und ein stocksteifer, humorfreier Gefängnisdirektor.

Dieses Duo ist sich für keinen Gag zu schade. Aber das Timing stimmt, die Pointen sitzen, die Kabinettstückchen purzeln nur so. Wie Fischmann und Quast eine Flasche Schampus leeren oder versuchen, einander im Csárdás die Schau zu stehlen: Das muss man gesehen haben!

Quelle: op-online.de

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