Reeses Pläne für das Schauspiel Frankfurt

Theater erzählt Geschichte

Frankfurt - „Hautnah, dicht und unmittelbar“ will Intendant Oliver Reese in der nächsten Spielzeit Geschichten erzählen, am Schauspiel Frankfurt erstmals unter einem Motto: „Über Leben“. Von Carsten Müller 

2015 jähren sich die Befreiung des KZ Auschwitz und das Ende des Zweiten Weltkriegs zum siebzigsten Mal.

Ursachen und Folgen des Nationalsozialismus hinterfragen Inszenierungen von Bertolt Brechts „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“, Ödön von Horvaths „Glaube, Liebe, Hoffnung“, Günter Grass’ „Die Blechtrommel“, die deutschsprachige Erstaufführung von Imre Kertész’ „Liquidation“ und das Jugendprojekt „Anne“, das sich mit Anne Franks Tagebuch beschäftigt. Dazu gibt es Thementage mit Diskussionen und Vorträgen, außerdem spezielle Ausgaben von „Friedman im Gespräch“.

Das Frankfurter Publikum lernt überdies internationale Regiehandschriften kennen, etwa die herausfordernde Perspektive des Russen Konstantin Bogomolov („Die Blechtrommel“) oder die körperbetonte des kanadischen Choreografen Dave St-Pierre, der Shakespeares „Macbeth“ einrichtet. Als deutsche Erstaufführung inszeniert Oliver Reese den Liebesreigen „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ des Franzosen Joel Pommerat - „aufgrund der Sparmaßnahmen mit nur neun Schauspielern.“

Neue Gesichter im Ensemble

Zu den Uraufführungen zählt Rainald Grebes theatrale Fantasie „Frankfurt“, ebenso „Your Lover Forever“, fiktive Liebesbriefe Charlotte von Steins an Goethe, die Fabian Gerhardt mit Frauen aus Frankfurt und Weimar einrichtet. Mit dem Bruch zwischen dem „Bockenheimer Robespierre“ Hans-Jürgen Krahl und seinem Lehrmeister Theodor W. Adorno befasst sich Christian Franke in „Wut und Gedanke“. Außerdem wird Falk Richter als Beitrag zu den „Frankfurter Positionen 2015“ ein Crossover-Theaterprojekt uraufführen.

Film und Theater verbindet Kai Voges in seiner Inszenierung von Williams’ „Endstation Sehnsucht“, Jürgen Kruse wendet Ortons „Seid nett zu Mr. Sloane“ zur abgründigen Farce über Paarbeziehungen. Sebastian Hartmann inszeniert Dostojewskis „Dämonen“ mit Musik von „Apparat“, Alexander Eisenach Sartres „Das Spiel ist aus“. Jorinde Dröse hat sich Shakespeares „Was ihr wollt“ angenommen, Philipp Preuss Kafkas „Amerika“ und Ulrich Rasche Büchners „Dantons Tod“. Als Familienstück bringt Michael Schweighöfer „Peter Pan“ heraus.

Neu im Ensemble sind die vom Wiener Burgtheater gekommene Corinna Kirchhoff, Katharina Bach aus dem Schauspiel-Studio und Max Mayer. Nach Schauspiel- und Regie-Studio, das nun aus Mizigin Bilmen, Laura Linnenbaum und Hans Block besteht, ist das Autoren-Studio die dritte Frankfurter Talentschmiede. Neue Aboreihen werden aufgelegt, die Eintrittspreise steigen moderat.

Quelle: op-online.de

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