Scheitern ins künstlerische Kalkül gezogen

Einige der freien Künstler und Gruppen, die beim „Plateaux“-Festival des Frankfurter Mousonturms ihre ersten Schritte machten, sind inzwischen längst überregional erfolgreich: Rimini Protokoll, She She Pop, Gob Squad oder Ivana Müller. In diesem Jahr findet das „Festival für neue Positionen internationaler Darstellender Kunst“ bereits zum neunten Mal statt. Von Astrid Biesemeier

Und laut Dieter Buroch, Intendant des Künstlerhauses Mousonturm, gibt es schon eine vage Zusage für ein zehntes Jahr der Förderung seitens der Deutsche-Bank-Stiftung. Das renommierte und in seiner Art deutschlandweit einzigartige „Plateaux“-Festival wurde gemeinsam mit der Stiftung konzipiert, und so ist Michael Münch, Vorstand der Stiftung, stolz, dass „Plateaux“ eine solche Strahlkraft entwickelt hat. Dabei will man ganz bewusst den Nachwuchs fördern.

Die Möglichkeit, für „Plateaux“ eine Inszenierung zu erarbeiten, schließt das Risiko des Scheiterns ein. Schließlich haben die jungen Künstler in der Regel gerade ihre Schulen verlassen und wagen die ersten eigenen Schritte. Die Teilnahme am Frankfurter Festival gibt ihnen etwas Raum, Ruhe und Konzentration für Recherche und künstlerische Arbeit.

150 Bewerbungen sind diesmal im Mousonturm eingegangen, je ein etwa zehnseitiges Konzept sowie DVDs mit Arbeitsproben. Die Bewerbungen werden gesichtet, es wird gereist, gesprochen und mit einem künstlerischen Beirat ausgewählt. Schließlich ist es eine Besonderheit von „Plateaux“, dass am Anfang ein Stück Papier steht, ohne zu wissen, was am Ende herauskommt. Ein Risiko, das in dieser Form in Deutschland kein anderes Haus eingehe, erläutert Buroch.

Sieben der anlässlich von „Plateaux“ gezeigten Arbeiten werden zwischen dem 23. April und dem 3. Mai im Mousonturm geprobt und zur Premiere gebracht. Beteiligt sind Künstler und Gruppen aus neun Ländern (Bulgarien, Deutschland, Israel, Italien, Niederlande, Portugal, Schottland, Schweiz und Ungarn), darunter Rafael Alvarez („Long Distance Call“), der sich mit seinem langsamen und sehr bildhaften Inszenierungen auf der Grenze von Tanz und Performance bewegt, Boris Nikitin, der auf der Folie von Orson Welles’ Film „F for Fake“ ein riesiges Spektakel verspricht, aber auch gekonnt mit Erwartungen spielt, oder Pandora Pop, die mit „Sorry!“ (Stereo Unplugged) eher ein Trash-Event mit Party, DJ, Bar und lauter Musik planen, das nur ein einziges Mal überhaupt stattfindet.

Neben den „Plateaux“-Produktionen gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm, in dem einige deutsche Erstaufführungen zu sehen sind. Außerdem ist beim diesjährigen Festival die Londoner Live Art Development Agency mit Filmen, Vorträgen und britischen Künstlern vertreten.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare