Schicksals Schwert schmieden

Die Ring-Kostüme lassen sich durchaus als Parodie auf überkommene Inszenierungen der Wagner-Tetralogie deuten.

Richard Wagner graute vor „allem Kostüm- und Schminkewesen“, er hätte nach dem unsichtbaren Bayreuther Orchester gern das unsichtbare Theater erfunden. Da wäre er bei der Dramatischen Bühne Frankfurt falsch. Beim freien Ensemble, das in der Bockenheimer Exzess-Halle spielt, ist Theater eine komödiantische Kunst. An assoziativen Kostümen spart es nicht; es geht um Bildermacht und Poesie.

Konsequenz aus Wagners Worten wäre die konzertante Aufführung. Die Dramatische Bühne geht den umgekehrten Weg und bietet eine freie Anverwandlung des Librettos zum „Ring des Nibelungen“ als Schauspiel. Auf Musik mag Regisseur Thorsten Morawietz, der auch den Text bearbeitet hat, nicht verzichten. Dem orchestralen Wagner misst er die Rolle dramatischer Überhöhung zu.

Anliegen der gut zweistündigen Inszenierung ist es, die aus der nordischen Sagenwelt geschöpfte Geschichte um ein moralisches Scheitern angesichts abhanden gekommener Werte und uneingeschränkter Herrschaft der Gier mit dem Ergebnis totaler Katastrophe zu erzählen. Morawietz meidet lange jegliche Aktualität heischende Anspielung. Die Erzählung offenbart, dass Wagner nicht von Göttern und ihrer Welt, sondern von seiner und unserer redet.

Kostüme und Schminke? Gleich zu Anfang tritt Detlev Nyga, der wie alle Hauptakteure mehrere Rollen spielt, mit hochtoupiertem blauem Haarschopf als ein nach den Rheinnixen geifernder Bösewicht Alberich auf. Als Wotan, der mit strategischem Handeln dem Schicksal die Stirn bieten will, trägt Armin Drogat einen Fuchs auf dem Kopf, was wie eine Parodie auf die Bärenfell-Kostüme überkommener Inszenierungen anmutet. Mit bloßem Oberkörper schmiedet Julian König als Siegfried sein Schwert in der deutlich gezeichneten Gestalt eines muskulösen Helden von klassischem Zuschnitt. Brünnhilde, Simone Greiß, ist eine zeitgenössische Frau von selbstbewusster Erdung. Giulia Riccio als Kriemhild mit Schneckenfrisur bildet den zickig-kantigen Widerpart.

Den komödiantischen Gehalt des Stabreims kosten alle aus, ohne sich der Alberei zu ergeben. Ein unaufdringlicher Witz erst macht die Komödie. Allein mit einem geläufigen Paarzwist Kriemhild versus Siegfried ist in der „Götterdämmerung“ für einen Moment der Boden heutiger Allzumenschlichkeit in Form amüsanter Comedy erreicht. Das schadet nichts.

Die Idee vom Gesamtkunstwerk reklamiert die Dramatische Bühne für mehrfachen Wechsel vom Theater zum Film. Da spielen Szenen im Winterwald oder vor Burgkulisse. Bringt keinen Gewinn. Wer sich auf die Urkräfte des Theaters besinnt, sollte ihnen treu bleiben. Und im Sinne konsequenter Ablösung von der Oper wäre völliger Verzicht auf Musik folgerichtig. Das sind indes Marginalien angesichts der geistreich beflügelten Theatererzählung! STEFAN MICHALZIK

Im Programm bis 12. April

Quelle: op-online.de

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