Caricatura Museum Frankfurt

Schlangenmund tut Wahrheit kund

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Zeichner Ralf König (l.) und Klavierlehrer Konrad Foto: dpa

Frankfurt - Die Schlange im Paradies ist entsetzt: „Das ist Dein Ebenbild?!“, fragt sie Gott, als sie zum ersten Mal Adam sieht. „Ein Affe?!“ Eine Augenweide ist dieser Adam tatsächlich nicht. Von Christian Riethmüller

Untersetzt, übermäßig behaart und nackt steht er grunzend da und ist doch gleich an seiner Knollennase zu erkennen. Diese Nase gehört zu den Charakteristika der Figuren des Kölner Karikaturisten Ralf König, der vor allem mit seinen lustigen Bildergeschichten über den schwulen Alltag bekannt und spätestens mit dem Filmhit „Der bewegte Mann“ auch zu einem der erfolgreichsten deutschen Comiczeichner geworden ist.

Königs Stammpersonal, der erfolglose Pornoromanautor Paul und der Klavierlehrer Konrad, hatten in den vergangenen Jahren allerdings Pause. Statt mit den Beziehungsgeschichten der beiden beschäftigte sich König mit Figuren aus der Bibel und schuf eine wunderbare Trilogie über den Apostel Paulus („Antityp“), Noah („Archetyp“) und die Schöpfungsgeschichte („Prototyp“), in der die Szene mit Schlange, Gott und Adam zu finden ist.

Wie in seinen berühmten Schwulen-Comics übt sich König auch bei seinen Bibel-Bildgeschichten nicht in Zurückhaltung. Bei aller Drolligkeit der Figuren, die den markanten König-Strich sofort erkennen lassen, geht es oft recht drastisch zur Sache. Adam etwa wirkt in seinen Lobpreisungen wie programmiert, Noah ist ein giftender und heuchlerischer Menschenfeind und Paulus ein gefährlicher Irrer, der mit seinen Predigten bei den aufgeklärten Griechen auf breites Unverständnis stößt. Geschickt lenkt König mit seinen drei Hauptfiguren den Blick auf die Rolle der Religion im täglichen Zusammenleben der Menschen und zeigt, wie nahe Glaube und Eifer manchmal sein können.

Neuer Comic spielt in Frankfurt

Eine große Zahl dieser dezidiert religionskritischen Blätter ist nun im Original in der empfehlenswerten Ausstellung „Paul versus Paulus“ im Caricatura Museum für Komische Kunst in Frankfurt zu sehen. Daneben zeigt die Schau ausgewählte Cartoons und Bildergeschichten aus dem gesamten Schaffen des vielfach ausgezeichneten Künstlers, der nach eigener Aussage „mit der Bibel erst einmal durch ist“ und sich nun wieder den alten Bekannten Konrad und Paul widmet. Pünktlich zur Ausstellung ist mit „Konrad & Paul: Raumstation Sehnsucht“ ein neuer Band über die beiden erschienen, der zum guten Teil sogar in Frankfurt spielt. Eine Auswahl der Originalzeichnungen, die König übrigens noch immer mit Schere und Klebber montiert, ist gleichfalls in der Schau zu sehen. Wie der Zeichner verriet, ist der Nachfolgeband bereits in Arbeit. Der soll vom All handeln. Dort können sich dann Aliens an Adams Anblick erschrecken.

„Ralf König. Paul versus Paulus“ ist bis zum 3. August im Caricatura Museum Frankfurt, Weckmarkt 17, zu sehen. Öffnungszeiten: Di -So 10 bis 18 Uhr, Mi 10 bis 21 Uhr

Impressionen von der Dürer-Ausstellung im Städel

Impressionen von der Dürer-Ausstellung im Städel

Quelle: op-online.de

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