Schloss Johannisburg wird 400 Jahre alt

Symmetrie und eine Spitzenlage

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Museumsdirektor Thomas Richter erklärt ein Cranach-Gemälde.

Aschaffenburg - „Die Stadt ist ihr Schloss“, sagte ein Aschaffenburger Heimatdichter über die größte Sehenswürdigkeit seiner Stadt. Von Christian Riethmüller

Schloss Johannisburg beherrscht aber nicht nur das Aschaffenburger Stadtbild, sondern strahlt als Baudenkmal ersten Ranges weit über die Region hinaus. Heute wird die Zweitresidenz der Mainzer Kurfürsten und Erzbischöfe 400 Jahre alt. „Die Lage, die Lage, die Lage“, ist nicht nur das Credo der Immobilienmakler von heute. Wer einmal von einem der zahlreichen Hügel, die Aschaffenburg umgeben, auf die Stadt herabgeblickt und das Schloss direkt am Mainufer hat liegen sehen, versteht sofort, warum sich die alten Baumeister gerade für diesen Platz entschieden hatten. Wie auf einer Bühne präsentiert wirken die Gebäude. Die Nähe zu den wildreichen Spessartwäldern mag ein Übriges getan haben, warum die Mainzer Erzbischöfe schon im 13. Jahrhundert an dieser Stelle eine Burg errichten ließen. Über deren Baugeschichte ist zwar nur wenig bekannt, doch weiß man, dass schon diese mittelalterliche Anlage mit ihrem mächtigen Bergfried den Mainzer Erzbischöfen als zweiter Regierungssitz diente. Mainz war damals die größte Kirchenprovinz des Heiligen Römischen Reiches und der Erzbischof von Mainz zugleich Erzkanzler des Reiches.

Aus diesem Machtanspruch heraus ist auch der Bau des Aschaffenburger Schlosses in seiner heutigen Form zu verstehen. Die mittelalterliche Anlage wurde 1552 im Markgräflerkrieg zwar geplündert und zerstört, doch Mainz hielt an dem Standort fest. Im Jahr 1604 gab der neue Kurfürst Johann Schweikhard von Kronberg den Bau eines Schlosses in Auftrag. Über den Bau sollte der Straßburger Architekt Georg Ridinger wachen. Der ließ die Überreste der alten Burg bis auf den gotischen Bergfried abreißen. Der Bergfried wurde als fünfter Turm in den neuen Bau in der Mitte des Nordwestflügels mit einbezogen und ist eine Reminiszenz an die alten Wehrbauten, mit denen das Schloss sonst nicht mehr viel gemein hat. Als erste Residenz in Deutschland wurde Schloss Johannisburg von 1605 an nach den Prinzipien der Symmetrie als einheitlicher Bau mit vier Flügeln angelegt.

Aschaffenburg das „bayerische Nizza“

Neun Jahre dauerten die Arbeiten an dem markanten, im Stile der italienischen Renaissance-Architektur errichteten Gebäude mit seinen Fassaden aus rotem Sandstein, der aus Steinbrüchen im Raum Miltenberg und Obernburg gewonnen wurde. Als Tag der Einweihung des Schlosses wählte Johannes Schweikhard von Kronberg den 17. Februar 1614, den 10. Jahrestag seiner Wahl zum Kurfürsten. So wie vor 400 Jahren sieht das Schloss heute nicht mehr aus, auch wenn die bedeutendsten Änderungen innen vorgenommen wurden. Kurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal ließ Ende des 18. Jahrhunderts das Innere des Schlosses klassizistisch umgestalten. Die wertvollen Möbel, die der Schlossbesucher bei einem Rundgang bestaunen kann, stammen noch aus dieser Zeit. Der Bestand an Kunstschätzen im Schloss war aber nicht nur zur Zeit der Erzbischöfe stetig gewachsen. 1814, vor 200 Jahren also, fielen Schloss und Fürstentum Aschaffenburg an das Königreich Bayern, das das Schloss gelegentlich zu Repräsentationszwecken und als Sommerresidenz nutzte. Vor allem König Ludwig I. fühlte sich am Main sehr wohl und nannte Aschaffenburg das „bayerische Nizza“.

Die Möbel wie auch das übrige Interieur waren in den schicksalhaften Tagen im März und April 1945 in Sicherheit gebracht, als das Schloss in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs von mehreren Bomben und von Artilleriegeschossen getroffen wurde und fast vollständig ausbrannte. Schon bald nach dem Krieg wurde in der Aschaffenburger Bevölkerung der Wunsch laut, das Schloss wiederaufzubauen. Nicht zuletzt dank der im Jahr 1616 gedruckten Aufzeichnungen von Baumeister Georg Ridinger selbst konnte das Schloss in den Jahren 1954 bis 1964 originalgetreu wiederhergestellt werden. Die Innenräume wurden allerdings nicht restauriert, sondern zugunsten einer musealen Nutzung verändert und angepasst. 20 Millionen Mark ließen sich die Stadt Aschaffenburg und der Freistaat Bayern damals den Wiederaufbau des Schlosses kosten, das seitdem verschiedene Museen und bemerkenswerte Sammlungen enthält. Darunter befinden sich solche Schätze wie die weltgrößte Sammlung von Korkmodellen antiker Architektur, Europas bedeutendste Sammlung von Arbeiten des Malers Lucas Cranach d.Ä. sowie ein prächtiges Konvolut des Aschaffenburger Malers Christian Schad, ein wichtiger Vertreter der klassischen Moderne.

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Nun will das Land Bayern erneut Millionen in die Ertüchtigung des Baudenkmals stecken. Wie der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) am Freitag bei einem Besuch in Aschaffenburg ankündigte, sollen bis zum Jahr 2022 gut 21 Millionen Euro etwa in die energetische Dämmung des Gebäudes investiert werden. Mit den Arbeiten soll Ende dieses, Anfang nächsten Jahres begonnen werden. Davor wird aber erst einmal ausgiebig der 400. Geburtstag des Schlosses mit Konzerten, Ausstellungen und Vorträgen gefeiert. Ein Höhepunkt ist sicher ab 10. Mai die Ausstellung „Wunderkind“, die dem Bildhauer Hans Juncker, dem Erschaffer des prächtigen Alabaster-Hochaltars in der Schlosskirche, gewidmet ist. Für die Schau sind auch verschollen geglaubte Skulpturen wiederentdeckt und aus Hunderten von Bruchstücken rekonstruiert worden. Wie Thomas Richter, Direktor der Museen Aschaffenburg, sagt, sind bisher nur von historischen Abbildungen bekannte Werke nun erstmals zu sehen.

  • Informationen zum Jubiläumsjahr gibt es unter: www.schlossjubilaeum-aschaffenburg.de

Quelle: op-online.de

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