Bibelhaus zeigt Ausstellung zu Jaffa

Schmelztiegel der Kulturen

+
Kreuzfahrerzeitliche Importkeramik zeigt die Verbindung in den westlichen Mittelmeerraum.

Frankfurt - Heute treffen im zu Tel Aviv gehörenden Hafen von Jaffa vor allem Israelis und Araber aufeinander. Doch schon in den letzten 5000 Jahren lebten Menschen ganz unterschiedlicher Abstammungen an einem der ältesten Häfen der Welt. Von Christina Lenz

Wie in einem Schmelztiegel verwischten die Grenzen der Kulturen im Laufe der Zeit. Die Ausstellung „Jaffa – Tor zum heiligen Land“ im Bibelhaus Frankfurt zeigt die wechselvolle Geschichte der Hafenstadt anhand archäologischer Ausgrabungen und stellt aktuelle Fragen.

Lässt sich aus der Geschichte der Stadt etwas über Toleranz und das Zusammenleben verschiedener Kulturen lernen? „Könige kommen, Könige gehen, aber die Kochtöpfe bleiben“, fasst Kurator Martin Peilstöcker und Leiter des internationalen Forschungsprojekts „Jaffa Cultural Heritage“ die geschichtliche Situation Jaffas zusammen. Machtverhältnisse veränderten sich in der Hafenstadt permanent, viele Völker wanderten ein und wurden kurz darauf wieder vertrieben.

Bierkrüge und Waffen als Hinterlassenschaften

So kam es im Laufe der Zeit zu einer intensiven Vermischung von Kulturen und Bräuchen. Der florierende Hafen an der angenehmen Mittelmeerküste war ein einzigartiger Anziehungspunkt: zuerst wanderten die Ägypter ein und vererbten ihre Bierkrüge, in der Eisenzeit hinterließen Phönizier und Perser ihre kulturellen Spuren, Waffen und Gefäße. Etwas später verwurzelten sich mit den Hellenen die Mythen und Geschichten in der Stadt.

Grabungsstätte inmitten von Jaffa. 5000 Jahre Geschichte spiegeln sich hier im Archäologischen Park.

Die Griechen lebten auf engstem Raum mit der immer stärker werdende jüdischen Bevölkerung zusammen – natürlich nicht immer friedlich. Noch später kommen Römer und Christen und koexistieren ebenfalls in der Stadt. In der blutigen Kreuzfahrerzeit hinterlassen Besucher aus aller Welt ihre Münzen: aus Zypern, Italien, Frankreich, Armenien, Nordafrika und Konstantinopel.

Mitten in dieser turbulenten Phase gelang Kaiser Friedrich II. in Jaffa ein Friedensvertrag mit dem Sultan al-Malik al Kamil. Eine kürzlich entdeckte Weihinschrift, die an dieses Ereignis in arabischer und lateinischer Sprache erinnert, gehört zu den spektakulärsten Ausstellungsstücken und ist in Frankfurt das erste Mal zu sehen, bevor es in das Israel-Museum in Jerusalem wandert.

Die Ausstellung zeichnet durch archäologische Stücke und multimediale Inszenierungen nach, wie sich Symbole, Sprachen und Kulturen in Jaffa über die Jahrtausende vermischten. So praktizierten die Muslime in der frühislamischen Zeit weiterhin den von den Römern eingeführten Weinanbau. Münzen aus islamischer Zeit verwenden christliche Symbole.

Durchmischung von Zeiten und Kulturen

Auch die zwei biblischen Mythen von Jona und Petrus, die in Jaffa spielen, vermitteln - ob Zufall oder nicht - eine ähnliche Botschaft: beide erzählen davon, wie dem Fremden friedlich und ohne Furcht begegnet werden kann. Diese Botschaft stammt aus der einzigartigen Durchmischung von Zeiten und Kulturen in der ältesten Hafenstadt, die übersetzt auch die „Schöne“ genannt wird. Jaffa wird so auch zum Inbegriff eines ganz modernen Problems: wie kann ein friedliches Miteinander der vielen Religionen und Kulturen gelingen - in Frankfurt, in Tel Aviv und weltweit.

Die Ausstellung „Jaffa – Tor zum heiligen Land“ ist bis zum 18. Mai 2014 im Bibelhaus in Frankfurt, Metzlerstraße 19 zu sehen. Öffnungszeiten: Di - Sa 10 bis 17 Uhr, So 14 bis 18 Uhr.

www.jaffa-ausstellung.de

Quelle: op-online.de

Kommentare