Stefanie Zweig wird 80 Jahre

Schöne Jahre in Offenbach

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Einst stand ihr Schreibtisch in Offenbach: Stefanie Zweig arbeitete als Redakteurin der „ Abendpost“ am Aliceplatz.

Offenbach - In Düsseldorf hat sie in der Redaktion der „Allgemeinen Wochenzeitung der Juden“ volontiert. In Frankfurt leitete Stefanie Zweig jahrelang das Feuilleton der „Nachtausgabe“. Von Lothar R. Braun

Nachdem es die nicht mehr gab, schrieb sie zwei Jahre lang für die Frankfurter Ausgabe von „Bild“. Als die „glücklichsten Berufsjahre“ aber nennt sie ihre Offenbacher Zeit im damaligen Pressehaus am Aliceplatz. Das war in den Fünfzigern und Sechzigern, als dort, am heutigen KOMM-Standort, noch die überregional verbreitete „Abendpost“ produziert wurde. Inzwischen ist Stefanie Zweig mit Büchern in Millionenauflagen international bekanntgeworden. Morgen wird sie 80 Jahre alt.

Mit ihren vielfach auch übersetzten Büchern hat Stefanie Zweig sich eine Fangemeinde erschrieben. Doch es wird nur wenige Fans geben, die sämtliche Titel gelesen haben. Die Zweig ist ein produktiver Autor. „Eltern sind auch nur Menschen“ hieß 1978 das erste ihrer flott verkauften Jugendbücher. 1980 erschien mit dem Titel „Ein Mund voll Erde“ der erste einer ganzen Reihe von Romanen, mit denen Stefanie Zweig Erlebnisse und Empfindungen aus der afrikanischen Emigration verarbeitete. Einer davon, „Nirgendwo in Afrika“ aus dem Jahr 1995 wurde Vorlage eines Kinofilms, der 2003 den Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ erhielt.

Größter Erfolg mit Afrika-Büchern

Sie war fünf, als ihre schlesische Familie in Afrika Schutz fand vor dem judenfeindlichen Terror in Deutschland. Sie war Teenager, als sie abermals verpflanzt wurde: aus der kenianischen Kindheit mit Afrikanern und Engländern ins nun fremde und zerbombte Land der Muttersprache. Das hungernde Nachkriegs-Frankfurt, wo der Vater endlich wieder als Jurist arbeiten konnte, war die dritte und endgültige Heimat geworden. Hier konnte sie aus dem, was sie ihr einseitiges Talent nennt, einen Beruf machen: „Lesen, Beobachten und Schreiben“.

Ihr größtes Publikum erreichte sie mit den Afrika-Romanen, in die viel Autobiographisches eingeflossen ist. Doch es wäre irrig, sie auf Afrika zu reduzieren. Ihr großes Thema ist das Emigrantenschicksal: das Fortgehen ins Ungewisse, die Hoffnungen der Rückkehrer, das Erlebnis von Heimat als einem geträumten Ort. Ein heiterer Blick auf das Menschlich-Allzumenschliche bewahrt sie dabei vor dem Abgleiten in Bitternis. Mit einem charmanten Humor zwingt sie warmes Herz und kühlen Verstand ins Gleichgewicht.

Um ihr Haus an der Rothschildallee in Frankfurt und seine jüdischen Bewohner hat sie einen ganzen Romanzyklus verfasst. Dem Leser aus dem Frankfurter Umland gefällt dabei, dass die Figuren sich in vertrauter Kulisse bewegen. Ob Afrika oder Frankfurt, die Zweig beschreibt nur das, was sie kennt. Und wenn sie erdachte Personen auftreten lässt, meint der Leser, ihnen schon einmal begegnet zu sein.

Lesung in Offenbach

Als Stefanie Zweig blutjung in Offenbach journalistisch arbeitete, ist sie oft nach verwandtschaftlichen Beziehungen zu dem Schriftsteller Stefan Zweig (1881-1942) gefragt worden. Der Name legt die Vermutung nahe, aber eine Verwandtschaft besteht nicht. Danach gefragt worden zu sein, das ist nicht die einzige Erinnerung an die Jahre im Pressehaus am Aliceplatz. Dort konnte sie die Vorübungen auf eine literarische Karriere absolvieren. So etwas bleibt haften. Mit Vergnügen bereitet sie sich denn auch auf eine Offenbacher Lesung aus dem jüngsten, noch nicht ausgelieferten Buch vor. Am 28. Oktober soll das im Emil-Renk-Haus im Gersprenzweg 24 in Tempelsee den Sonntagnachmittag bereichern. Dabei wird auch von Offenbach die Rede sein.

Quelle: op-online.de

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