In Schönheit sterbend

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Rodolfo (Gaston Rivero) bangt: Mimì (Susanne Serfling) hat bald nicht nur ein eiskaltes Händchen ...

Kaum eine Frau stirbt so oft den Operntod wie Mimì. Schließlich zählt „La Bohème“ zu den beliebtesten Werken des Genres. Im Staatstheater Darmstadt hatte Giacomo Puccinis Künstlerdrama jetzt Premiere. Von Axel Zibulski

Intendant John Dew gönnt Mimì schöne Bilder: Straßenszenen mit impressionistischen Konturen prägen die Rückwand der Bühne von Heinz Balthes. Könnte sein, dass Marcello, Maler des Künstlerquartetts in der Pariser Mansarde, dies erdacht hat. So setzt Dew die Handlung vage in der Entstehungszeit an, um die Wende zum 20. Jahrhundert, vertraut auf Tableaus, Fauteuils und eine etwas steif inszenierte Massenszene. Der einstige Regie-Rebell ist konventionell geworden. Dem Publikum gefällt’s: Beifall fürs Regieteam, aber auch für die Sänger.

Musikalisch ist diese „Bohème“ sehr beachtlich; einiges, was statisch an der Rampe und pauschal in der Personenführung gerät, gleicht die dramatische Gestaltung aus. Grundiert ist das vom klangsinnlich und geschmeidig spielenden Staatsorchester, das unter Kapellmeister Martin Lukas Meister nie dominant wirkt, aber treffend die Stimmungen einfärbt. Rhythmische Schärfe und Präzision markieren die Szene im Quartier Latin, dunkle Farben die Zollstation des dritten Bildes, samt fallendem Schnee.

Vorstellungen auch am 3., 7., 23., 26. und 31. Dezember

Über Beifall kann sich Gaston Rivero als Rodolfo nach seiner Arie „Che gelida manina!“ freuen. Nicht groß, aber fein fokussiert und so leicht wie metallisch hell klingt sein Tenor. Susanne Serfling, als Ensemblemitglied die Mimì der Premiere, lotet ihre Partie aus stabiler Mittellage mit wendigen Höhen aus. Vokale Kultiviertheit und Genauigkeit tragen ihre Szenen. Da passt es, dass Margaret Rose Koenn die handfestere Musetta-Partie dramatisch direkter, derber anlegt. Oleksandr Prytolyuk als Maler Marcello, David Pichlmaier als Musiker Schaunard sowie John in Eichen als Philosoph Colline ergänzen die ausgewogene Ensembleleistung zuverlässig, ebenso Monte Jaffe, der die mitleidlos buffonesk ausgestellten Nebenfiguren des geprellten Hausbesitzer Benoît und des greisen Musetta-Liebhabers Alcindoro gibt. Und Mimì? Sie stirbt wieder ihren Bohème-Tod.

Quelle: op-online.de

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