Schon früh Comics im Kopf

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Sauer lebt in Sachsenhausen und unterhält ein Atelier in der Innenstadt.

Frankfurt - Ob Smudo von den Fantastischen Vier über seine lebensmüden Lemminge auch auf der Toilette lacht, weiß er nicht so genau. „Kürzlich hat er mir aber einen meiner Comic-Gags vorgespielt“, erzählt Joscha Sauer. Von Kathrin Rosendorff

Dass viele seiner „Nicht lustig“-Geschichten über schwarzhumorige Helden wie eben die Lemminge, Yetis oder Wissenschaftler zur bevorzugten Klo-Lektüre zählen, weiß der Frankfurter Cartoonist.

Ein bisschen sieht der 33-jährige Zeichner wie der große Bruder von Formel-1-Rennfahrer Sebastian Vettel aus. Und auch Sauer hat echte Fans. Bis zu sechs Stunden stünden manche an, um sich Bücher signieren zu lassen. „Echt süß“ findet das Sauer. Mit seinen bislang fünf „Nicht Lustig“-Bänden zählt er zu den erfolgreichsten Cartoonisten Deutschlands. 1,5 Millionen Exemplare wurden verkauft. Zweimal hat er den Sondermann-Preis der Frankfurter Buchmesse gewonnen: 2004 als „Bester Newcomer“, 2009 für den „Besten Cartoon“. Vor kurzem erschien eine Jubiläumsausgabe von „Nicht Lustig“.

„Schon im Kindergarten habe ich viel besser als die anderen gezeichnet“, erzählt Sauer. Im Frankfurter Stadtteil Griesheim ist er groß geworden. „Die ganze Oberstufe lief so ein bisschen an mir vorbei, weil ich schon meine Comics und Trickfilme im Kopf hatte.“ Er sei kein kompletter Außenseiter gewesen. „Aber für die Nerd-Jungs war ich zu wenig Nerd. Zu wenig dicke Brille, zu wenig Pickel. Und für die coolen Jungs war ich nicht genug party-und alkoholinteressiert.“

Erst kurz nach seinem Zivildienst im Jahr 2000 hat Sauer eine Internetseite mit seinen Bildergeschichten gestartet. Aus purem Zeitvertreib und um zu testen, wie die Leute sie finden. „Nicht lustig“ hat er sie genannt, „weil ich von Anfang an Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen wollte“. Immer noch stellt er drei Cartoons pro Woche online. Das Besondere an seinen Comics: Sauer zeichnet nicht mit Grafikprogrammen, sondern per Hand mit aufwendiger Aquarell-Kolorierung. „Diese Zeichnungen scanne ich dann ein und bearbeite sie am Computer nach.“

Kurze Zeit hat der Frankfurter auch in Berlin gelebt. Dort verdiente er manchmal so wenig Geld, dass er nur von Cornflakes mit Wasser lebte. Ohne die Unterstützung seiner Eltern hätte er die ersten drei Jahre nicht durchgehalten, sagt er. „2003 kam mein erstes Buch raus, seitdem muss ich nicht mehr so drauf gucken, wie ich meinen Kühlschrank fülle.“

Bis vor wenigen Wochen war sein Atelier Teil seiner Sachsenhäuser Wohnung. „Aber die dauerhafte Verquickung von Privatem und Beruf hat mir nicht mehr gepasst.“ Jetzt arbeitet der Zeichner in einer Hinterhof-Altbauwohnung in der Frankfurter Innenstadt. Auf einer Tafel hat der 33-Jährige seine Protagonisten in eine Tabelle eingetragen: Familie Lemming, Professoren, Yetis, Herr Riebmann, Tod und Pudel. Unter den einzelnen Helden stehen Szenen-Ideen für eine klassische Trickfilmserie. Seit Jahren arbeitet er nebenbei an seinem Traumprojekt. „Mir fehlen aber noch das kreative Team und Sponsoren.“

In seinem Atelier will Sauer noch konzentrierter arbeiten. Auch an den Korrekturen für sein aktuelles Buch „Feng Shuizid“. Das einzige, was ihn jetzt noch ablenken könnte, seien die Ballettmädchen vom Haus gegenüber. Die hätten ihm schon gewunken. „Vielleicht kippt das Ganze noch zu so einem Westside-Musical: Der Zeichner und die Ballerina“, sagt Sauer und lächelt. Er ist noch auf Traumfrau-Suche.

Quelle: op-online.de

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