Pam Ann im Capitol

Schrilles Lästermaul

Offenbach - Kunstvoll hoch toupiertes Kunsthaar, künstliche Wimpern, pinkfarbener, nicht zu knapp aufgetragener Lippenstift, Highheels und figurbetonter Fummel – wenn Pam Ann die Bühne betritt, dann darf es auch optisch ordentlich krachen. Von Maren Cornils

Kein Wunder, schließlich ist die schrille Australierin, die sich als „Flying Bitch“ mit ihren Airline-Parodien vor allem in der Flugbegleiter- und Gayszene einen Namen gemacht hat, Kult. Als Pam Ann vor einem Jahr zur Landung in der Rhein-Main-Region ansetzte, platzte die Offenbacher Stadthalle zwei Tage lang aus allen Nähten. Bei ihrer „Around the world tour“, mit der Pam Ann dieses Jahr wieder einen Stopp-over in Offenbach einlegte, war die Resonanz diesmal nicht so überwältigend: Das Capitol hatte am Samstagabend noch einige freie Plätze zu bieten. Der Begeisterung des Publikums tat es keinen Abbruch. Unter lautem Gejohle betrat Pam Ann die Bühne und nahm huldvoll den Applaus des mehrheitlich männlichen Publikums entgegen.

Ein kurzer Flirt mit dem Publikum hier, ein knappes Lob für Offenbach da, und die rot gewandete Airline-Expertin legte los. Oder besser gesagt: Sie zog vom Leder. Die Griechen und die Athener U-Bahn bekamen dabei ebenso ihr Fett weg wie die Lufthansa-Tochter Germanwings oder die All Italia, die als „Costa Italia“ verunglimpft wird: „Die Italiener können noch nicht einmal ein Schiff steuern – wie dann ein Flugzeug?“. Ob American Airlines, Qantas, Virgin, Delta oder Emirates, im Verlauf des Abends knöpfte sich die schlagfertige Komikerin jede bekannte und weniger bekannte Fluggesellschaft vor – und fand zur Freude ihres Publikums überall etwas zu mäkeln. Waren es bei der Air France die arroganten, bei Chanel ausgebildeten Size-Zero-Stewardessen („skinny bitches“), so mokierte sich Pam Ann bei Virgin über das pornografische Auftreten der Crew und beschwerte sich lauthals über die zu klein geratenen KLM-Sitze sowie die Polyesterhosen der Crew.

„Around the world“

„Around the world“ ist schrille, aber gewöhnungsbedürftige Comedy aus Australien, die ihren Reiz jedoch nur für diejenigen entfaltet, die des Englischen mächtig sind und zumindest entfernt mit der Flugbranche zu tun haben. Eher zart besaitete Besucher indes dürfte allein der inflationäre Gebrauch an Schimpfworten verschrecken, denn ohne ein „Shit“, „Fucking“ oder Schlimmeres endet bei Pam Ann kein Satz. Und im Capitol begann auch keiner ohne die ausgesprochenen Lieblingswörter der Australierin, die damit einmal mehr ihr Image als obszönes, sexbesessenes Lästermaul kultivierte.

In rasendem Tempo parlierte sich der Kultstar durch seine kunterbunte Lästerorgie und machte dabei in wechselnden, zunehmend gewagteren Outfits Bella figura. Das Publikum dankte ihr jeden Gag mit Gelächter, applaudierte sogar für einen komplett sinnfreien Trailer, in dem Pam Ann als Audrey-Hepburn-Kopie zu den Klängen von „Fame“ durch New York tanzt und zeigte sich insbesondere dann, wenn die Komikerin sich im Dialog mit dem Publikum versuchte, begeistert. Dass die Lufthansa an diesem Abend erstaunlich gut weg kam, dürfte dem Auftrittsort geschuldet gewesen sein, wenngleich die Diva bezüglich Germanwings keinerlei Pardon kannte und mit ihren Seitenhieben auf die Billig-Tochter bewies, dass sie hinsichtlich der Entwicklungen in der Airlinebranche stets auf dem aktuellstem Stand ist.

Quelle: op-online.de

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