Ausstellung „SchuhWerke“

Schuhe wie Skulpturen im Ledermuseum

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Pumps mit Strassbesatz für Christian Dior, Frühjahr 1963.

Offenbach - „Der König des dekorativen Schuhs“ - so wurde der französische Schuhdesigner Roger Vivier gepriesen. Er gestaltete Schuhe wie Skulpturen und erfand den Stiletto-Absatz. Das Deutsche Ledermuseum (DLM) widmet ihm nun eine Ausstellung. Von Christian Riethmüller

Viviers Schuhe seien „so ausgewogen wie eine Hängebrücke und so zierlich wie eine Orchidee“, lobte der bekannte britische Modejournalist Colin McDowell einmal die Kreationen des Designers, der eher zufällig zu seiner Profession gekommen war. Roger Vivier (1907 - 1998) studierte Bildhauerei, als ihm eine befreundete Industriellenfamilie in Paris die Gelegenheit bot, erste Schuhentwürfe für sie zu machen. In enger Zusammenarbeit mit den Schustern erwarb er sich schnell wertvolle Kenntnisse des gesamten Schuhfertigungsprozesses, die für seine kühnen Ideen von großer Bedeutung sein sollten.

Vivier gilt nicht nur als Erfinder des Stiletto-Absatzes, den er selbst übrigens „Nadelabsatz“ nannte, sondern ersann auch die eigentlich jedem statischen Verständnis widersprechenden Komma- und Choc-Absätze. Seinen Platz in der Modegeschichte des 20. Jahrhunderts sicherten ihm aber nicht nur solche Ideen, sondern vor allem die Zusammenarbeit mit einem Mann, der seinerseits als Modelegende gilt: Christian Dior. Der brachte Vivier solche Hochachtung entgegen, dass er es erlaubte, den Namen des Schuhdesigners gleichberechtigt neben seinen eigenen auf die Label der Dior-Schuhe drucken zu lassen.

Entwürfe für Dior

Ein Prototyp mit Union Jack für Laboremus aus den 1930er Jahren.

Entwürfe für Dior sind in der sehenswerten Offenbacher Schau mit dem Titel „SchuhWerke“ ebenso zu sehen wie Arbeiten für Yves Saint Laurent, für den Roger Vivier im Jahr 1965 einen Schuh schuf, der unter dem Namen „Belle de Jour“ weltberühmt werden sollte und in vielen Varianten kopiert worden ist. Catherine Deneuve trägt diesen Schnallenschuh mit gemäßigtem Absatz in Bunuels gleichnamigen Film. Sie ist nicht die einzige bekannte Persönlichkeit, deren Füße von Vivier-Modellen geziert wurden. Er entwarf auch Fußbekleidung für Brigitte Bardot, für Marlene Dietrich, für Prinzessin Soraya und für Queen Elisabeth II., deren Krönungsschuhe er schuf.

Die Ausstellung „SchuhWerke. Roger Vivier“ ist bis 2. November im Deutschen Ledermuseum Offenbach zu sehen. So - Fr 10 bis 17 Uhr, Sa 10 bis 22 Uhr, www.ledermuseum.de

Während diese Arbeiten durchaus Ikonenstatus haben, ist ein guter Teil der rund 100 Ausstellungsstücke selbst für modebegeisterte Experten „terra incognita“. Das Deutsche Ledermuseum hat in seinem Fundus nämlich 45 Prototypen von Vivier-Entwürfen, von denen nun 40 erstmals präsentiert werden. Dieses Frühwerk Viviers aus den 1930er Jahren stammt aus der Zusammenarbeit des Designers mit der in Paris ansässigen Firma S.A. Laboremus, einer Tochter der Heyl’schen Lederwerke in Worms-Liebenau. Diese Werke waren weithin für ihre feinen Chevreauxleder berühmt. Um vor allem amerikanischen Kunden vorzuführen, welche schönen Damenschuhe sich aus den Wormser Ledern würden produzieren lassen, wurden sogenannte Pull-Over gefertigt, die auf einem Leisten mögliche Schuhmodelle und ihre Farbgebung dreidimensional vor Augen führten. Bemerkenswert: Mancher nie in Serie gegangene Entwurf hätte auch heute noch das Zeug zum Klassiker.

Quelle: op-online.de

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