„Zappa Plays Zappa“

Schwieriges Erbe eines Übervaters

Was bei einem Bäcker, Arzt oder Konzernchef als selbstverständlich erachtet wird, die Übergabe des elterlichen Metiers von einer an die nächste Generation, scheint bei Musikern, Schauspielern und Schriftstellern stets mit einem großen Fragezeichen verbunden zu sein.

Für Dweezil Ian Donald Calvin Euclid Zappa, Filius des 1993 verstorbenen Frank Zappa, jedenfalls ist es beinahe eine heilige Pflicht, das musikalische Erbe seines übermächtigen Erzeugers am Leben zu erhalten. Seit 2006 beschwört der Gitarrist und Sänger den Geist seines Ahnherrn. Tatkräftig unterstützt von dessen einstigen Weggefährten, wohl wissend, dass die prominenten Herrschaften, die im treu ergebenen Fankreis Zappas wie heilig verehrt werden, zahlende Zuschauer in Scharen anlocken. Doch so ganz mag die Rechnung nicht aufgehen. Wegen chronischer Absatzschwierigkeiten beim Kartenverkauf zog das Sextett kurzerhand vom Offenbacher Capitol in die wesentlich kleinere Frankfurter Batschkapp um.

Bis auf sein flinkes Spiel auf der Gitarre hat Dweezil so gar nichts vom Papa geerbt. Nicht seinen sarkastischen Humor, nicht die souveräne Ausstrahlung und auch nicht den Hang zu skandalösen Eskapaden. Allzu brav klebt er am Mikrofon. Bewegt sich nur, wenn er seine Gibson SG gegen eine Fender Stratocaster tauscht oder einen Song ankündigt. Keinerlei Schwierigkeiten hat er hingegen, die oft schwierigen Kompositionen beeindruckend originalgetreu zu servieren.

Selbst mit dem Abstand von Dekaden sind Frank Zappas Ergüsse für auf Mainstream geeichte Ohren nicht leicht zu verdauen. Minutiös inszenierte Kakophonien mit Hang zur stilisierten Dramatik. Wildwuchernde Jazz-Fusionen bestimmen überlange Song-Suiten wie „Montana“, „Cosmik Debris“ und „I’m The Slime“. Akrobatische Tempiwechsel, knifflige Arrangements, Dweezils ganz an den Papa angelehnte Metal-Gitarre und fünf überaus talentierte Mitstreiter – allen voran Multiinstrumentalistin Scheila Gonzales – vermitteln einen wunderbaren Eindruck von Zappas unvergänglichem Universum. Eine künstlerische Glanzleistung, die aber wohl nur Enthusiasten als Hochgenuss empfinden. FERDINAND RATHKE

Quelle: op-online.de

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