Selbst ein Fall für den Wortstoffhof

Axel Hacke ist ein Chronist des Alltags in allen Lebenslagen. Daraus bezieht der in München lebende Schriftsteller und Journalist die Stoffe für seine Kolumne „Das Beste aus aller Welt“, die Woche für Woche im Magazin der Süddeutschen Zeitung erscheint. Und für seine Bücher, denen immer der Charakter einer Sammlung von Kolumnen eigen ist, auch wenn sie es gar nicht sind.

Das sprachliche Missgeschick ist Hackes liebstes Kapitel. In der Gestalt des Verhörens, des falschen Verstehens, hat er es zur Grundlage seiner Wumbaba-Trilogie gemacht. „Wumbabas Vermächtnis“ heißt in Analogie zu Star Wars der gerade erschienene abschließende Teil, dessen Erscheinen den Anlass zu der Lesereise ergeben hat, die ihn in den Frankfurter Mousonturm führte. Stets stilsicher und niemals anders als leichtgewichtig ist sein zur kleinen Form geronnener Blick auf die Welt abgefasst.

Die Christbaumkugel liegt noch im August auf der Kommode im Flur. „Muss hier endlich weggeräumt werden“: Diese Floskel analysiert er als grammatikalisches „Partnerschaftspassiv“. Auf dem „Wortstoffhof“ hat er unter anderem eine Reihe von possierlichen Fehlleistungen aus internationalen Speisekarten abgelegt. Das englische „Onion rings“ für Zwiebelringe wurde in einem griechischen Restaurant mit „Zwiebel ruft an“ übersetzt. Mitunter freilich, etwa wenn jemand mit den Worten „Schweinespuren im Sand“ Howard Carpendale missverstanden haben will, darf die muntere Fantasie eines feixenden Hobbydichters als Quell vermutet werden.

Milde, freundliche Ironie, in der Manier eines allzeit charmanten Partners beim Tischgespräch in einem Restaurant der besseren Art: Weiter geht Hacke nie. In den besseren Momenten vermag seine Stand-Up-Literatur zu amüsieren. Manches indes mutet an wie mit dem Schleppnetz gefangen. Der Fischer aber wirft wertlosen Fang zurück ins Meer. STEFAN MICHALZIK

Quelle: op-online.de

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