Serielle Wiederholung

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Peter Roehr, Ohne Titel (FO-110), Papier auf Karton (1965), Sammlung Dr. J. Lindenberger.

Frankfurt - In ihrem ersten Kooperationsprojekt zeigen Museum für Moderne Kunst Frankfurt und Städel das Werk Peter Roehrs. Etwa 100 Arbeiten geben einen Überblick über alle Schaffensperioden dieses Frankfurter Künstlers, der 1968 mit nur 23 Jahre einem Krebsleiden erlag. Von Ulf Sölter

Seine Werke verfolgen ausnahmslos die Idee der seriellen Wiederholung. Das Prinzip ist durch die großformatigen Siebdrucke Andy Warhols bekannt. Anders als der stilprägende Amerikaner reproduzierte der gelernte Leuchtreklame- und Schilderhersteller Roehr jedoch keine verfremdeten, in ein anderes Medium übertragene Motive, sondern montierte gefundene Alltagsmaterialien wie Briefmarken, Streichholzschachteln, Knöpfe, Fotos, Ausschnitte aus Werbeanzeigen und Prospekten zu Collagen oder Assemblagen. Bemerkenswert ist eine großformatige, quadratische Arbeit mit 36 konvex ausgeformten Radkappen. Die polierten Autoteile beziehen den Betrachter durch die Spiegelung des Ausstellungsraums in das System des Seriellen mit ein. Mit den gewölbten Spiegeln verweist Roehr überdies auf prominente Vorbilder in der Kunstgeschichte wie Jan van Eycks „Arnolfini-Hochzeit“.

Waschbecken und Absturz eines Autos

Der Minimal Art verpflichtet sind die in ihrer seriellen Anordnung auf ein Minimum reduzierten Arbeiten, etwa der Ausdruck einer Rechenmaschine mit einer sich scheinbar endlos wiederholenden Ziffernfolge. Filmische Werke folgen dem gleichen Prinzip: Kurze Sequenzen, meist nicht länger als zwei Minuten, zeigen in Wiederholung sowohl den banalen Vorgang des Wasserabflusses in einem Waschbecken als auch den eindrucksvollen Absturz eines Autos, das anschließend in Flammen aufgeht.

Den Höhepunkt dieser Ausstellung und Endpunkt der kurzen Schaffenszeit Roehrs bilden die zehn großformatigen „Schwarzen Tafeln“, die ihrerseits aus je 35 mattschwarzen Täfelchen bestehen. Dieses mehrteilige Hauptwerk, vor einem Jahr vom Städelschen Museums-Verein für die Sammlung erworben, wird in einem eigens geschaffenen Raum präsentiert.

Vielmehr sollen Synergien genutzt werden

Begrüßenswert, dass erstmals ein gemeinsames Projekt beider Häuser realisiert wurde. Nicht mehr in Konkurrenz steht man zueinander, so der Leiter von Schirn und Städel, Max Hollein. Vielmehr sollen Synergien genutzt werden.

„Peter Roehr: Werke aus Frankfurter Sammlungen“, bis 7. März 2010 im Städelmuseum (Schaumainkai 63) und im Museum für Moderne Kunst Frankfurt (Domstraße 10). Mehr Infos auf den Internetseiten des Städelmuseums und des Museums für moderne Kunst.

Allerdings fragt sich, warum ein Künstler für diese lobenswerte Premiere herhalten muss, dessen Werk einen wichtigen Platz in der europäischen Kunstgeschichte der 1960er Jahre einnimmt, aber kein gewachsenes Oeuvre von internationaler Bedeutung darstellt. Angemessener wäre die Realisierung in einem der Museen gewesen. Durch die Streckung über zwei Stationen hat Verzichtbares Eingang gefunden. Nicht immer ist es vorteilhaft, alle verfügbaren Arbeiten (aus dem Besitz der beteiligten Institutionen und aus Frankfurter Privatsammlungen) zu zeigen. Eine pointierte Schau hätte Besuchern den zweifelsfrei schönen Spaziergang am Main zwischen den Häusern erspart – aber das lohnende Werk eines viel zu jung verstorbenen Künstlers in seiner Bedeutung besser herausgestellt.

Quelle: op-online.de

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