Sex, Drogen und Rock’n’Roll

Frankfurt - Sky du Mont hatte keinen leichten Stand in der Alten Oper. Von Carsten Müller

Als Erzähler durch das turbulente Mitmach-Musical „Rocky Horror Show“ zu führen bedeutet, gegen ein Publikum anzureden, das ihn zur Premiere der En-suite-Produktion in Frankfurt erst mit tosendem Beifall und dann mit Zwischenrufen aus der Fassung bringen will.

Aber der erfolgreiche Kino- und Fernsehschauspieler kennt das Ritual. Es gehört zur Show wie Reis, Toilettenpapier, Wasser aus der Spritzpistole, Konfetti, Zeitung, Spielkarten und Leuchtstäbe, mit denen einzelne Szenen aufs Stichwort begleitet werden. Und du Mont bleibt souverän, kontert amüsiert, droht gar mit einer Gesangseinlage.

Sie sind wieder am Opernplatz gelandet: der korsagetragende Außerirdische Frank"n"Furter und seine Crew vom Planeten Transsylvania, die ein unschuldiges, nach einer Reifenpanne in der Grusel-Villa gestrandetes Pärchen in tiefste erotische Verwirrung stürzen.

Die Produktion ist schon seit geraumer Zeit unterwegs

Fast vierzig Jahre nach der Erstaufführung schlägt der lustvolle Zusammenprall kleinstädtischer Sittenstrenge mit subkultureller Sinnenfreude unterhaltsame Funken, reißen Richard O’Briens Ohrwürmer wie der „Time Warp“ unwiderstehlich mit, legen Ausstattung und Effekte des mit zeitgenössischen Film-Trailern beginnenden „Science Fiction Double Features“ die Qualitäts-Messlatte hoch.

Und das Ensemble steht dem kaum nach: Rob Fowler ist eine Idealbesetzung als androgyner Frankenstein-Verschnitt, bringt seine Hauptrolle stimmlich wie darstellerisch auf den Punkt. Daisy Wood-Davis als erst naive, dann enthemmte Janet muss man einfach gern haben. Djalenga Scott als Magenta begeistert mit voluminöser Stimme und akrobatischen Einlagen. Spitze Schreie und Szenenapplaus provozieren die Auftritte des austrainierten Sam Cassidy als Rocky.

Bis 31. August in Frankfurt, Karten Tel. 069/1340400

Verschleißerscheinungen sind dennoch nicht zu übersehen, immerhin ist die Produktion schon seit geraumer Zeit unterwegs. Auch haben einige Gesangssolisten Mühe, sich gegen die ebenso fulminant wie lautstark abrockende Band durchzusetzen, etwa der blasse Jon Hawkins als Brad oder Kerry Winters Columbia. Vokale Glanzpunkte setzen Matthew McKenna als Riff Raff sowie Sean Kingsley als Eddie, der dem mit der Rolle untrennbar verbundenen Meat Loaf erstaunlich nahe kommt. Nach gut zwei kurzweiligen Stunden hebt das Rock’n’Roll-Raumschiff wieder ab. Die nächste Landung kommt bestimmt.

Quelle: op-online.de

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