Für was es sich zu leben lohnt

„Ich hoffe, ich konnte Ihnen über ein paar Dinge erzählen, für die es wert ist, zu leben.“ Mit diesen Worten beendete der 86-jährige Schriftsteller Peter Härtling den wöchentlichen literarischen Abend im Offenbacher Jugend- und Kulturzentrum in der Sandgasse. Der gesellschaftlich engagierte Autor und frühere Cheflektor des S. Fischer Verlages gab einen kleinen Einblick in sein Schaffen.

Neben der „Pösie“, so scherzte Härtling, las er Ausschnitte aus Romanen. Begleitet wurde die Lesung von einer Ausstellung des Frankfurter Fotografen Klaus Malorny, der die Demonstrationen gegen den Flughafenausbau im Kelsterbacher Wald und Mönchbruchwald festgehalten hat, auf denen auch Härtling zu sehen ist.

Eines der neueren und beeindruckenden Werke Härtlings ist der Roman „O’Bär an Enkel Samuel“. Er handelt von einem alten Mann, der sich angesichts seiner allmählich schwindenden Lebenskräfte immer weiter aus dem gesellschaftlichen Leben zurückzieht. Bis Enkel Samuel seinen Alltag umkrempelt. Er sprüht nur so von spielerischer und unbändiger Neugier. Samuels Begeisterung für die kleinen Freuden des Daseins steht im liebevollen Kontrast zur Eigenbrötlerei seines Opas. Härtlings Erzählung trägt autobiografische Züge, weil sie zum Teil auf eigenen Erlebnissen des Autors mit seinem Enkel beruht, der gleichfalls Samuel heißt.

Nüchterner Humor und liebevolle Hingebung begleiten die Schilderungen der Taten eines quicklebendigen und fröhlichen Kleinkindes. Dass es sich hierbei um eines der Dinge im Leben handelt, für die es sich, nach Härtling, lohnt, den Tag zu lieben und zu leben, ist wohl eindeutig.

BIANKA REHN

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare