Schuld ist ein Lebensthema

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Schriftsteller Siegfried Lenz

Literarisch hat Siegfried Lenz immer wieder „fette Beute“ gemacht. Heute feiert der große Hamburger Nachkriegsautor („Deutschstunde“, „Heimatmuseum“) seinen 85. Geburtstag. Von Matthias Hoenig

Die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, der deutschen Schuld – das ist sein Lebensthema, ebenso wie der Verlust der ostpreußischen Heimat. Aussöhnen, versöhnen lautet die Botschaft in seiner inzwischen 20-bändigen Werkausgabe. Seine Schriften erschienen in 37 Ländern und 35 Sprachen. 30 Millionen Exemplare wurden weltweit verkauft von den bislang erschienenen 14 Romanen, zwei Novellen und 168 Erzählungen. Meistverkaufte Titel sind der Roman „Deutschstunde“ (1968) und seit 2008 die Liebesnovelle „Schweigeminute“, wie der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe mitteilt.

Die NS-Diktatur hat die Jugend von Lenz geprägt. In Lyck (Masuren) aufgewachsen, kam er mit 17 zur Kriegsmarine. Anfangs begeistert, weckte das Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 bei ihm Zweifel: „An diesem Tag stürzte ich aus einer Illusion.“ Und auch das Elend und Sterben im Krieg verändert ihn. Das nach Kriegsgefangenschaft in Hamburg begonnene Lehrerstudium brach er 1948 ab, um Journalist zu werden. 1951 begann er als freier Schriftsteller zu wirken. Zentrales Thema wurde die Auseinandersetzung mit dem Pflichtbegriff. Auch in seinem Welterfolg „Deutschstunde“ geht es vor allem um die Folgen unkritischen Pflichtbewusstseins.

Konsequent versuchte der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels die Gesellschaft mitzugestalten. Insbesondere die auf dem Versöhnungsgedanken basierende Ostpolitik Willy Brandts hatte Lenz energisch unterstützt. Aufgearbeitet hat er das Thema Vertreibung im Roman „Heimatmuseum“ (1978). Neben ernsten Werken fand er aber auch Zeit für Humoristisches, für Geschichten wie „So zärtlich war Suleyken“ (1955) oder Anekdoten „Im Geist der Mirabelle“.

Spät wagte sich der Autor an eine Liebesgeschichte. Die Novelle „Schweigeminute“ (2008) ist ein inzwischen in viele Sprachen übersetzter Bestseller. Auch die ein Jahr später erscheinende Novelle „Landesbühne“ (2009), in der Lenz die Summe seiner existenzialistischen Lebensphilosophie erzählerisch vermittelt, ist ein großer Erfolg.

Quelle: op-online.de

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